Games.ch

Feature: Frauen im E-Sport

Wo sind sie und warum wir Frauen-Turniere brauchen

Artikel LIONSKY

Es ist eine Frage so alt wie das Gaming selbst und doch bleibt sie unbeantwortet: Frauen im E-Sport – wo sind sie? Falls ihr schon jemals ein einziges professionelles E-Sport-Event verfolgt habt, dann werdet ihr euch vermutlich an folgende Szenerie erinnern: Junge, erwachsene männliche Spieler mit vor Konzentration gerunzelter Stirn, welche vor leuchtenden Monitoren sitzend und von einer tobenden Menge angefeuert ihre Finger wie Spinnen tanzen lassen. Leute schreien, verbreiten eine Aufregung, die selbst Komapatienten aufwecken könnte und am Ende des Turniers werden den jungen, männlichen Spielern Trophäen samt eines Checks überreicht, von deren Summen so mancher Fussballspieler nur träumen könnte. Falls das bekannt vorkommt, so habt ihr kennen gelernt, was allgemein hin als die Essenz des derzeitigen E-Sport bekannt ist, und daran ist nichts verkehrt!

Junge Athleten, die sich zu unser aller Vergnügen im Wettstreit messen und dafür blendend entlohnt werden ist schliesslich nichts Neues. Allerdings ist heutzutage nur eines noch ungereimt: alle Spieler, der grösste Teil des Publikums und selbst die Caster, sind Männer. Frauen im E-Sport sind ironischerweise so selten wie Einhörner, ein mythisches Tier, welches nicht nur oft mit Frauen assoziiert wird, sondern auch – who knew? - das Nationaltier Schottlands ist (hat nichts mit E-Sport zu tun, war aber trotzdem interessant). Und als jemand, der E-Sport liebt, tut es fast weh zu sehen, wie eine ganze demografische Gruppe so komplett ignoriert wird. Wir alle wissen, dass eine ausgewogene Community der Schlüssel zur Langlebigkeit und, wenn nicht das, zu rein ökonomischen Bedingungen ist.

Screenshot

Äusserte man das Statement: „Frauen sind im Gaming weitgehend unterrepräsentiert.“, so würde man ein weitgehendes, räsonierendes 'JA' ernten. Immerhin kennen wir alle die Turniere, Zuschauer und haben vielleicht auch Erfahrungen aus erster Hand. Allerdings, lägen wir überraschenderweise falsch. Wie das PewResearchCenter herausgefunden hat, spielen Männer und Frauen zu ungefähr gleichen Raten. Insgesamt 50% aller Männer und 48% aller Frauen spielen, und der 2% Unterschied kann in Anbetracht der vorangegangenen Zahlen als durchaus geringfügig betrachtet werden.

Jedoch zeigen uns die Daten auch noch etwas anderes. Nämlich, dass sich 15% aller Männer und nur 6% aller Frauen als Gamer bezeichnen. Ein wichtiger Unterschied, da es Aufschluss darüber gibt, wie interessiert und investiert eine Community tatsächlich ist, und für wen Gaming ein ernsthaftes Hobby als nur eine Beschäftigung für verregnete Tage ist.

An diesem Punkt möchten wir uns von einer Erklärung distanzieren, warum signifikant weniger Frauen sich selbst als Gamer bezeichnen, da zu viele Faktoren, soziologischer, ökonomischer und möglicherweise sogar biologischer Natur, in Betracht gezogen werden müssen. Was übrig bleibt ist, dass gerade einmal 40% so viele Frauen ebenso viel Zeit und Energie wie Männer ins Gaming investieren. Und hier haben wir somit den ersten Erklärungsansatz, warum Frauen im E-Sport noch immer unterrepräsentiert sind, wo sie es im Gaming doch nicht sind.

Jedoch ist die Definition Gamer an sich nicht genug und der Terminus zu vage, als dass man ihn direkt im E-Sport übertragen könnte. Also sollten wir einen Blick auf einen anderen Bereich werden, der womöglich thematisch näher liegt: Streaming. Und, um noch etwas spezifischer zu sein, Streaming auf Twitch, der grössten E-Sport Streaming Plattform dieser Tage.

Screenshot

Kommentare