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Kingdom Come: Deliverance - Vorschau

Faszinierendes Mittelalter-Rollenspiel ganz ohne Fantasy

Vorschau Sönke Siemens

Egal ob „Dragon Age: Inquisition“, “The Witcher 3”, “Final Fantasy 15”, “Fallout 4” oder „The Technomancer“ – Rollenspiele sind dieser Tage vor allem in Fantasy- oder Sciene-Fiction-Szenarien angesiedelt. Ganz anders “Kingdom Come Deliverance” vom tschechischen Spieleentwickler Warhorse Studios. Hier dient die Geschichte selbst, genauer gesagt Böhmen im Jahr 1403, als Grundlage für das Szenario. Was es mit dem Herzblut-Projekt sonst noch auf sich hat, verraten wir euch im Folgenden.

Es war einmal... in der wirklichen Welt

„Kingdom Come: Deliverance“ fasziniert in vielerlei Hinsicht. Ganz oben auf der Agenda steht jedoch vor allem eins: der Realismus. Das beginnt schon mit der Hintergrundgeschichte und ihren zahlreichen, einst tatsächlich existierenden Persönlichkeiten. Aufhänger des Plots ist das Schicksal von Wenzel dem Vierten, der gerade zum König ernannt wurde. Seinem Bruder Sigismund jedoch passt das gar nicht in den Kram, weshalb er Wenzel entführen lässt. Unterstützt wird Sigismund dabei von einer mordenden und brandschatzenden Söldnerarmee. Was uns letztendlich zum eigentlichen Protagonisten des Spiels bringt. Heinrich, der Sohn eines angesehenen Schmieds. Er muss kurz nach Spielbeginn mit ansehen, wie Wenzels Truppen sein Heimatdorf dem Erdboden gleichmachen und seine Familie brutal abschlachten. Erschüttert von den Ereignissen treiben ihn fortan vor allem zwei Dinge an: Das kaum zu bremsende Bedürfnis nach Vergeltung und die unbedingte Absicht, dem rechtmässigen Herrscher den Thron zurückzugeben.

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Bis es allerdings soweit ist, gibt es einiges zu tun. Warhorse Studios verspricht nicht weniger als 80 Quests, die allesamt in einer komplett offenen, 16 Quadratkilometer grossen Spielwelt stattfinden. Das Spannende: Genau wie die Geschichte selbst, wurde auch das Szenario voll auf Realismus getrimmt. Satellitendaten und historische Blaupausen etwa halfen dabei, die Landschaft – ein Gebiet zwischen den zentralböhmischen Städten Sázava (Sasau) und Rataje nad Sázavou (Rattay) – ziemlich genau so zu rekonstruieren, wie sie vor über 600 Jahren ausgesehen haben muss. Das gilt für die Umgebung, aber auch für die in dieser Region vorzufindenden historischen Gebäude. Das noch heute existierende Kloster Sázava etwa schaut im Spiel (siehe Vergleichsbild) fast genauso eindrucksvoll aus wie in der Realität. Aufmerksame Beobachter können selbst einzelne Backsteinformationen und kleinere Fehler im Mauerwerk wiederfinden – irre!

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Doch das ist erst der Anfang. Zusammen mit einem Team aus Historikern und Malern rekonstruierte Warhorse Studios Tausende Objekte aus jener Zeit. Windmühlen, Flaggen, Rüstungen, Trinkgefässe, Waffen, Kleidungsstücke – in allen Fällen stand die Geschichte Pate. Wer schon einmal Museen in der Region besucht hat, kriegt wirklich das Gefühl, gerade eine Zeitmaschine benutzt zu haben.

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