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Kolumne: AddOns und DLCs: Eine Hassliebe?

Vanilla Times – war früher wirklich alles besser?

Artikel roquy

Ein Grossteil der Titel, die heutzutage erscheinen, warten mit Verkaufsargumenten wie "inklusive XY-DLC" oder "mit exklusivem XY-Weapon-Pack" auf. Dazu werden schon vor dem Release des Spiels weitere DLCs, AddOns oder sonstige Extras angekündigt, die das Spiel zukünftig erweitern und verbessern sollen. Und natürlich uns armen Zockern den einen oder anderen Franken mehr aus der Tasche ziehen. Warum das Ganze? Sind die Spieleschmieden einfach nicht mehr fähig, uns vollständige Titel zu präsentieren oder geht es hier wirklich eiskalt darum, den Umsatz pro Titel zu maximieren?

Eine Anmerkung vorweg. Ich klammere Endlos-Spiele wie z.B. MMORPGs in diesem Artikel aus. Denn die Langzeitmotivation ist in diesen Titeln eine der tragenden Säulen und dazu gehört einfach neuer Content im Stil von AddOns.

Das gab es tatsächlich. Als das Internet noch in den Kinderschuhen steckte und die Konsolen noch Sega Mega Drive oder Nintendo 64 hiessen. Da ist der frohsinnige Zocker in den Laden gegangen, hat sich ein Spiel gekauft und konnte es zu Hause in voller Länge geniessen. Ein fertiges Spiel, ohne gefühlt alle drei Wochen einen Patch laden zu müssen, der Fehler in der Programmierung behebt oder noch irgendetwas hinzufügt oder entfernt oder was auch immer.

Liebe Technik-Spezialisten unter euch. Ich weiss auch, dass die Komplexität einer Produktion von früher zu heute nicht vergleichbar ist und man vermutlich kaum noch statische und somit besser kontrollierbare Elemente benutzt, jedenfalls in den Grossproduktionen. Trotzdem, gestattet einem Laien die Formulierung seiner Träume.

Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass ich nicht geil auf die DLCs bin oder früher nicht sofort auf jedes "Battlefield 2"-AddOn geflogen wär. Was anfangs noch in schicken Box-Versionen verkauft wurde und uns von unseren Lieblingsspielen NOCH MEHR (geil!) Inhalte, Storystränge, Maps, etc. versprach, hat heute Dimensionen - um nicht zu sagen Auswüchse - erlangt, die oft in die völlig falsche Richtung gehen.Screenshot

Wo ist der Haken?

Mit der zunehmenden Fettleibigkeit unserer Internetleitungen wurde es für die Entwickler dieser Welt plötzlich möglich, ungeheure Datenpakete auf die heimischen Rechner zu jagen. Ohne dass Freund Konsument auch nur mit dem grossen Zeh wackeln muss. Einmal die Maus oder das Pad bemüht, zu denen jeder Spieler wohl schon eine Art persönliche Beziehung aufgebaut hat, und schon wird der neue Stuff geladen.

Ich will in keiner Weise bestreiten, dass es wirklich richtig gute DLCs gibt. Nehmen wir nur mal eins meiner Lieblingsspiele "Bioshock: Infinite". Die "Burial at Sea"-Episoden waren super-geil. Der DLC zu "The Last of Us" namens "Left Behind" – überragend! In diesen Fällen haben die Entwickler die Bedeutung eines Downloadable-Contents nicht verkannt und uns etwas geliefert, was das zusätzliche Geld wert ist.Screenshot

Richtig ätzend, liebe Freunde, wird es, wenn irgendeine Art Inhalte eines Spiels uns das Gefühl geben, einen Vollpreistitel gekauft zu haben, der aber alles andere als vollständig ist. An dieser Stelle sei einmal der Day-One-DLC bei "Mass Effect 3" genannt. Dieser war nur für Käufer der N7-Edition kostenlos verfügbar und enthielt ein relevantes Teammitglied. Grundlegend stimmen hier zwei Dinge nicht. Das erste ist die Wortkombination Day-One-DLC. Ein DLC, der direkt am Launch-Tag erscheint, gibt uns allen irgendwie das Gefühl, dass das gekaufte Spiel nicht vollständig ist. Das zweite ist die Preispolitik. Ich bezahle für das Spiel je nach Plattform satte 60-80 Franken und werde danach noch mehr oder weniger gezwungen, entweder die massiv teurere N7-Edition zu kaufen oder den DLC für knappe 15 Franken extra zu laden! Ein weiteres Beispiel ist "Street Fighter X Tekken", das aus demselben Grund heraus sogar gefloppt ist. Viele Beat‘em-Up-Fans weigern sich bis heute, das Spiel zu kaufen, da man einen teuren DLC extra zahlen muss, um viele Charaktere freizuschalten.

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