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Heavy Rain

Bis das der Regen uns scheidet

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Keine zwei Monate ist es her, seit wir dem PS3-Hoffnungsträger "Heavy Rain" in Form einer umfassenden Preview-Version auf den Zahn fühlen durften. Nun, drei Wochen vor Release (24. Februar), versorgte uns Sony bereits mit dem endgültigen Wolkenbruch.

Eigentlich könnten wir es uns an dieser Stelle auch einfach machen und schlicht auf unser grosses "Heavy-Rain"-Preview vom Dezember verweisen. Klar, die vor acht Wochen noch im Spiel vorhandenen Logikfehler und KI-Aussetzer sind grösstenteils ausgemerzt worden. An der Spielmechanik selber hat sich aber – wie erwartet – nichts mehr geändert.

Und damit küren wir das Werk aus dem Hause "Quantic Dream" definitiv zum streitbarsten Videospiel der Geschichte. Wobei das Wort Spiel bekanntlich mit Vorsicht zu geniessen ist, denn «Heavy Rain» ist und bleibt ein interaktiver Film, bei dem Genie auf Wahnsinn trifft.

Hier die unfassbar gut präsentierte Story mit den fantastisch gezeichneten Charaktere. Da die unwürdig simple Steuerung, bei der sich selbst die intellektuellen Plüsch-Tiefflieger aus dem Teletubbie-Land unterfordert fühlen würden. Ganz ehrlich – ich will als erwachsener Spieler einfach nicht Grossmamis Geschirr vorsichtig auf einem Tisch absetzen. Und duschen kann ich im Bad, Wasser lösen auch und was sich meine Freundin gedacht hat, als sie mich beim wilden Schütteln des Sixaxis-Controller erwischt hat und ich etwas von Zähneputzen gefaselt habe, will ich lieber gar nicht wissen. Nur gut, dass sie nicht bei einer späteren Nacktszene ins Zimmer geplatzt ist …

Wehe, wenn es Dich zu fassen kriegt
Nur eben – das kann man alles doof finden. Muss man aber nicht. Denn in der Summe tragen alle diese Belanglosigkeiten unbestritten zur Atmosphäre bei. Und die ist bei "Heavy Rain" dichter als die Kettenhemden von Artus, Lanzelot, Parzival und Tristan zusammen. "Heavy Rain" ist wie der Nebel des Grauens – zunächst nicht greifbar, schleicht er sich heran, umschliesst dich, lässt dich nicht mehr los. Und irgendwann bist Du geliefert. So einfältig das Knöpfchen drücken auch ist, so langweilig das hirnlose Abklappern von Tatorten oder das sture Abarbeiten der Gedankengänge der Protagonisten auch sein mag – "Heavy Rain" kriegt dich.

Ja, ja, die geniale Grafik hat da natürlich auch ihre Finger im Spiel, ebenso  die cineastische Präsentation und das Gefühl, dass man der Handlung mit seinen Entscheidungen tatsächlich eine andere Wendung geben kann. Aber des
Teufels Advokat ist und bleibt die Handlung, der man sich ganz einfach nicht mehr entziehen kann. Entsprechend falsch weil Spielsspass-hemmend wäre es, hier gross auf die Details einzugehen. Nur so viel: Mord, Sex, Liebe, Hass, Eifersucht, Tragödien, Träume, Ängste, Freude, Trauer – "Heavy Rain" ist ein Wechselbad der Gefühle, aus dem es bis zum Abspann kein Entrinnen mehr gibt. Und selbst dann muss man das Gesehene zuerst noch verarbeiten.

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