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Silent Hill V

Gelungener Neustart der Horror-Reihe?

Test Guest getestet auf Beachlife: Virtual Resort

Der Einstand der beliebten Silent-Hill-Reihe auf den Next-Gen-Plattformen soll gleichzeitig ein Neustart der Serie werden. Doch ist dieses Vorhaben gelungen, und wie gruselig ist Silent Hill eigentlich noch?

Als Silent Hill damals Ende der Neunziger erschien gab es nur einen direkten Konkurrenten, und der hiess Resident Evil. Im Vergleich zum Zombiehorror setzen die Macher von Silent Hill auf subtileren Grusel der sich stark an japanischen Horrorfilmen orientierte. Das Ergebnis schlug bei den Spielern ein wie eine Bombe und sorgte für schweissnasse Hände während der Spielsessions. Obwohl, oder gerade weil die Gewalt nicht so explizit im Vordergrund stand wie bei Resident Evil, fand das Spiel schnell sein Anhänger und war nach Meinung vieler weitaus gruseliger und nervenaufreibender als  das Zombiegemetzel aus dem Hause Capcom. Dazu trugen auch die bizzaren Kreaturen bei, auf die man im Laufe des Spiels traf, ebenso wie die verstörende Klangkulisse und die ständige Angst aus dem nächsten Hinterhalt angegriffen zu werden. Wie bei einem guten Buch fand der Horror oftmals nur im Kopf der Spieler statt, und dies war genau das Konzept, das hinter der Silent Hill-Reihe steckte und sie schliesslich auch zum Erfolg führte. Die Serie wurde weiterentwickelt, neue Spielelemente kamen dazu, andere wurden verbessert oder wieder verworfen. Dies gilt auch für die Protagonisten, sowie im aktuellen Teil für den ehemaligen Soldaten Alex Shepherd, der hier ebenfalls sein Debüt feiert. Gleich zu Beginn wird Shepherd durch ein düsteres Krankenhaus geschoben. Dabei erhascht er immer wieder Blicke auf grausame Folterspiele die von Wimmern und Schreien begleitet werden. Shepherd ist an seine Trage gefesselt und kann sich nicht wehren. Ein Arzt, wenn man der Kleidung trauen darf, schiebt ihn in ein Zimmer und verschliesst die Tür. Das Letzte, was wir von diesem Arzt sehen, den schon kurz darauf kann man beoabachten, wie er von etwas in Stücke gerissen und davon gezerrt wird.

Soweit die Anfangssequez des neuen Silent Hill-Teils, die einen schon mal in die richtige Stimmung versetzt. Ab hier übernimmt der Spieler die Rolle von Shepherd und steuert in aus der Verfolgerperspektive hinein in ein dunkles Abenteuer. Planlos macht man sich auf den Weg und wird so nach und nach an die Steuerung herangeführt. Über die Schultertasten hat man einen Schnellzugriff auf das Inventar, wo man am besten erstmal die Taschenlampe einschaltet. In den Gängen des ominösen Krankenhauses sieht man kaum die Hand vor Augen. Ab und zu fällt Licht durch Ventilatoren an der Wand und sorgen für ein gespenstisches Schattenspiel. Grafisch reisst man zwar keine Bäume aus, aber dank Kriselfilter und nette Licht- und Schatteneffekten wirkt das Ganze doch recht atmosphärisch. Vor allem der Wechseln zwischen den verschiedenen Welten, der sich stark an die Momente aus dem Film anlehnt, wurde gut in Szene gesetzt. Wenn die Sirenen heulen und sich die Umgebung auflöst um unter der Oberfläche eine dreckige und schmutzige Welt voller Folterinstrumente und Grausamkeiten freizugeben, setzt sich sofort eine beklemmende Stimmung ein. Gleich beim ersten Übertritt in die Parallelwelt werden wir auch mit einem der bizzaren Bewohnern von Silent Hill konfrontiert: der gesichtslosen Krankenschwester. Als sie mit wackligen Bewegungen auf uns zu kommt, macht sich erstmal Panik breit, doch schnell ist das Messer gezückt und mit ein paar gezielten Stichen ist das Monster mit den sexy Kurven ausser Gefecht gesetzt. Und hier liegt auch das grösste Problem des eigentlich als Survival Horror konzipierten Spiels. Da man diesmal mit einem Ex-Soldaten unterwegs ist, der sich natürlich auch zu wehren weiss, geht viel von der Atmosphäre verloren, die sich mit den mehr oder weniger unterlegenen Charakteren der vorangegangenen Teile einstellte. Das Kampfsystem ist offensiver und dynamischer als bisher und bietet neben einer starken und einer schnellen Attacke auch die Möglichkeit auszuweichen. Gegner verlieren so einen grossen Teil ihres Schreckens, da man mit dem richtigen Rhythmus aus Konter und Attacke meistens schnell zum Erfolg kommt, ohne selbst Federn zu lassen. Einzig den besonders schaurig inszenierten Bossgegnern kann man so nicht zu Leibe rücken und muss für jeden dieser Kämpfe eine andere Taktik an den Tag legen.

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