Games.ch

Thief (2014)

Endlich ein echter Schleich-Meister

Vorschau Benjamin Kratsch

„Metal Gear Solid 5“ schämt sich fast schon so ein bisschen für seine Stealth-Herkunft, wird vielleicht „Thief“ dann der neue Genre-König im Schleich-Universum? Wir haben gut zwei Stunden in einem herrlichen Hamburger Gewölbe erlebt, mit Wasserpeilen Fackeln ausgeschossen, Wachen in den Wahnsinn getrieben und uns ziemlich mies beim Versuch gefühlt einem Mädchen ihren Spiegel zu klauen. Kurzum: Garrett ist eine akrobatische Version von Trevor aus „GTA 5“. „Thief“ - Mega-Preview.

Screenshot

Blitze durchzucken den Himmel und es fängt an zu regnen. Die Tropfen schlagen sanft auf den Helm dieses Ritters, der uns mit grimmiger Mine entgegen tritt. Er trägt Schild, Breitschwert und eine mächtige Rüstung. Wenn er uns entdeckt, dann war`s das wohl. „Garrett beherrscht die Kunst des Schwerttanzes, aber er ist kein Meuchelmörder“ – darauf besteht Produzent Joe Khoury. Als Garrett verstecken wir uns in einem Heuwagen und rumpeln vorbei an dem Wachposten in die Stadt. Die Strassen sind gesäumt von entstellten Menschen, die notdürftig mit einer Kutte ihr Gesicht schützen. Sie hatten Glück, denn sie leben noch. Eine Seuche hat die Stadt befallen und grosse Teile der Bevölkerung dahingerafft. „Der Pöbel stinkt, nur weg mit dem Pack“ raunzt einer der Soldaten seinen Kollegen zu, packt einen der leblosen Körper und wuchtet ihn auf einen Ochsenkarren.

Screenshot

Die ersten Szenen von „Thief“ erinnern an den Einstieg von „Call of Duty: Modern Warfare“. Wir können nicht eingreifen, wir saugen die Szenen nur auf und überlegen, was hier wohl vor sich geht. Links wird gerade ein älterer Mann in den Pranger gezwängt. Sein Sohn versucht ihm zu helfen, will ihn befreien und liefert sich eine Rangelei mit den Soldaten der Stadt, die hart und ohne jede Gnade handeln. Sie führen ihn nach Links, wo gerade drei Männer gehängt werden. Scheinbar Mitglieder des Widerstands, denn ein noch namenloser Baron herrscht hier wie ein Diktator mit harter Hand. „Garrett ist kein Held, er wird nicht kommen um die Menschen von der Diktatur zu befreien. Er ist nicht Batman“ – ein Satz, der an diesem schönen Tag in Hamburg öfter fällt. „Er ist ein sehr egoistischer Charakter, der den Raub eines teuren Amuletts als Kick braucht. Er ist Dieb aus Leidenschaft, er tut das nicht des Geldes wegen, denn er hat längst ein stattliches Vermögen angehäuft. Es geht mehr um dem symbolischen Wert etwas zu stehlen, was doch eigentlich so gut bewacht war“. Ja Garrettt ist ein schwieriger Charakter. Er ist mehr das Arschloch, ein Egoist, der einem Mädchen des Nachts den geliebten Spiegel klauen wird. Kurzum: Garrett ist kein Held zum Liebhaben, keiner mit dem man sich identifizieren möchte. Quasi Typ Trevor aus „GTA 5“? Nein, denn Garrett hat eine düstere, eine echte Geschichte.

Kommentare