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Leisure Suit Larry: Box Office Bust

Sex sells? Ja, aber nicht hier!

Test Guest getestet auf Beachlife: Virtual Resort

"Leisure Suit Larry" war eines der ersten PC-Spiele, das Point&Click-Gameplay mit pornographischen Inhalten gemischt hat. Was damals für verlegenes Gekicher unter vorgehaltener Hand sorgte, wirkt heute nur noch plump und aufgesetzt. "Sex sells", doch in diesem Fall sollte man lieber die Finger von diesem Softwaremüll in sexy Verpackung lassen.

Ja, in den Neunzigern war Larry ganz gross. Der sympathische Loser hat sich durch einige Abenteuer schlagen müssen, immer auf der Suche nach Sex. Damals war das skandalös, verrucht und deshalb natürlich auch so beliebt. Vor allem jüngere Spieler konnten sich dem Verbotenen kaum entziehen und die Aussicht digitale Busen zu Gesicht zu bekommen, war natürlich Anreiz genug, die Larry-Games immer wieder zu Zocken. Der Gag war, dass man zwar dauernd sexuelle Andeutungen gemacht hat, wirklich zu sehen gab es aber nie etwas. Wenn es mal richtig zur Sache ging wurde die Kamera ausgeblendet oder ein Balken über die ganze Angelegenheit gelegt.
Auch im neuen Larry-Spiel wurde an der Sexformel festgehalten, ansonsten hat das Spiel mit dem Original aber nichts mehr zu tun. In der Rolle des Neffen vom Original-Larry schlägt man sich hier nämlich durch ein Open-World-Adventure und muss dabei ein Komplott aufklären, dass gegen den Altgedienten Videohelden auf seinem Studiogelände läuft. Der gute alte Larry ist nämlich mittlerweile Pornoproduzent und heuert uns kurzerhand an für ihn zu recherchieren.

Wirklich alles schlecht? Ja!
In zahlreichen stupiden Hüpf- und Sammeleinlagen erledigt man dann Aufträge für Studiomitarbeiter, wie den schmierigen Hausmeister, und treibt so nach und nach die belanglose Story voran. Auf einer kleine Karte wird immer der nächste Missionspunkt eingeblendet, dumm nur, dass nicht angezeigt wird, ob er sich auf einer Ebene mit der Spielfigur oder gar über einem befindet. So irrt man schon mal minutenlang planlos durch die Gegend, bis man merkt, dass das Missionsziel z.B. auf dem Dach eines Gebäudes platziert wurde.
Doch das ist noch das kleinste Übel am Spiel, den was die Entwickler hier abgeliefert haben ist unter aller Kanone. Und immerhin steckt hinter dieser Verwurstung das renomierte Studio "Team 17", welches aber zuletzt nicht mehr an alte Erfolge anknüpfen konnten. Angefangen bei den Animation, über die Steuerung bis hin zum Leveldesign ist einfach alles nur grottig. Zuerst dachte ich, man hätte mir eine Beta-Preview-Version für den Test geschickt, doch ein Blick auf die Packung bestätigte, dass es sich um die Verkaufsversion handelt. Auch wenn hier die schon etwas betagte "Unreal 3"-Engine am Werk ist, so miese Grafik habe ich auf Basis dieser Engine selten gesehen. Texturen sind den Programmieren wohl ausgegangen, anders kann man sich das trostlose Einerlei nicht erklären. Auch die Charaktere sind im Ansatz zwar gut gezeichnet und teilweise auch richtig schräg, doch hässliche Schattenspiele im Gesicht und einfach ein unfertig wirkender Gesamteindruck machen auch diesen Ansatz von Komik im Nu wieder zunichte. Zudem hat man vergessen den KI-Kollegen ein Gehirn zu spendieren, den teilweise stehen die Guten einfach wie festgewachsene in der Gegend rum. Das Thema "Filmgelände" hätte soviel Möglichkeiten für Gags geliefert, die nicht mal Ansatzweise ausgereizt wurden.

Derbe Sprüche statt gute Qualität
Das herausragende Merkmal dieses Spiels, und das tut der Publisher auch in seiner Presseinfo kund, sind die professionellen Sprecher, darunter Carmen Electra und Jay Mohr (Simpsons, Family Guy, Scrubs). Doch wer jetzt ein Gagfeuerwerk der Extraklasse erwartet, wird schnell eines Besseren belehrt. Man hat sich wohl gedacht, wenn das Spiel schon so mies ist, dann überspielen wir das Ganze mit einer ultraharten Fäkalsprache. Das "F"-Wort ist in den Dialogen noch das Harmloseste, was es zu hören gibt. Hier schöpfen die Macher wirklich aus dem Vollen und kennen praktisch keine Tabus!
Es braucht halt dann doch etwas mehr als ein paar nackte Brüste und den ausgiebigen Gebrauch von "Dirty Talking" um ein Spiel spielenswert zu machen. So hat man im Endeffekt ein Game produziert, das auf dem Niveau von Kindern ansetzt und auch eine Spielmechanik mitbringt, die höchstens die ganz Kleinen an den Bildschirm fesseln könnte. Aufgrund der ultraharten Sprache im Spiel ist der Titel aber erst ab 18 Jahren freigegeben. Die Volljährigen sollten aber einen grossen Bogen um diesen Softwaremüll machen und auch Fans des Ur-Larry werden mit diesem Titel sicher alles andere als glücklich werden. Noch ein Novum zum Schluss: Sogar bei den Untertiteln haben es die Entwickler geschafft einen Fehler einzubauen. Da die Untertitel gegengesetzt zur Leserichtung wechseln, hat man nämlich enorm Mühe den deutschen Texten zu folgen. Dass gab es noch nirgends und somit hat man wirklich alles verbockt, was es zu verbocken gab. Gratuliere!

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