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Baphomets Fluch: Directors' Cut

Spannend oder einfach nur antiquiert?

Test Guest getestet auf

Es gab mal eine Zeit, da waren Point-&-Click-Adventure das Mass aller Dinge im Videospielsegment. Die Neuauflage dieses Klassikers soll das Genre nun auch wieder für ein jüngeres Publikum interessant machen. Doch sind solche Spiele überhaupt noch zeitgemäss?

Der Hinweis "Director’s Cut" sagt es ja schon, dass es sich bei diesem Spiel um eine erweiterte Version handelt. Da ich das Original nie richtig gespielt habe, kann ich zu den Zusatzszenen leider nicht viel sagen, aber sie fügen sich wohl ganz gut ins Gesamtgeschehen. Negativ aufgefallen sind sie mir zumindest nicht. Zu Beginn schlüpfen wir in die Haut der Reporterin Nico, die bei einem angesehnen Industriellen zu einem Interviewtermin geladen ist. Dort angekommen muss sie feststellen, dass der gute Mann ermordet wurde. Als ausgefuchste Journalistin untersucht sie die Leiche natürlich noch schnell vor dem Eintreffen der Polizei und stösst dabei auf ungeheuerliche Hinweise, die auf eine Verschwörung hindeuten, in die sogar ihr Vater verstrickt sein könnte. Etwas später verübt ein Unbekannter einen Anschlag auf ein Café in der Stadt, in dem zufällig gerade der Amerikaner George Stobbart ein Päuschen abhält. Obwohl er nur knapp mit dem Leben davon kommt, entschliesst er sich ebenfalls in eigener Sache zu ermitteln. Ab hier übernehmen wir dann die Rolle des Sunnyboys, und im Laufe des Spiels muss man so immer wieder zwischen den beiden Protagonisten wechseln, die verschiedenen Hinweisen nachgehen, die offenbar zur selben Spur führen.

Wie bei Point-&-Click-Adventuren üblich bewegt man seinen Spielfigur auf statischen Bildschirmen und sucht diese dabei akribisch nach Hinweisen ab. Sobald man mit dem Stylus einen relevanten Punkt erreicht hat, erscheint ein Symbol, welches anzeigt, wie man mit diesem Objekt interagieren kann. Das heisst im Klartext, man bewegt sich von Bildschirm zu Bildschirm, fährt mit dem Stylus die gesamte Fläche ab und aktiviert alle Aktionen die dann möglich sind. Natürlich ist es damit nicht getan, den oftmals gilt es mehrere Aktionen miteinander zu verbinden oder Objekte zu kombinieren. Hier ist viel Köpfchen und Um-die-Ecke-Denken gefragt. Lobenswert ist, dass die Entwickler einen Ratgeber eingebaut haben, der in drei Stufen Tipps an den Spieler abgibt. In einer Statistik wird dann festgehalten, wie oft man auf die Hilfe des Ratgebers angewiesen war. Wie sich das Ganze aufs Spiel auswirkt, hat sich mir aber nicht erschlossen. Da die Rätsel teils recht knackig geraten sind, wird man aber immer wieder gerne in den digitalen Spickzettel schauen, und vermeidet somit aber auch, dass man frustriert an einer Stelle hängen bleibt und das Handtuch wirft. Das Spektrum der Kopfnüsse reicht von Codes knacken, über Kombinations- und Schieberätsel. So findet man z.B. gleich am Anfang einen gravierten Metallzylinder. Um die Nachricht darauf sichtbar zu machen, muss man eine Tube Farbe in eine Papierablage geben, den Zylinder darin rollen und einen Abdruck auf einer Tischdecke anfertigen. Wem das schon zu kompliziert ist, der wird nach kurzer Zeit wohl schnell an seine Grenzen stossen, den die Lernkurve ist steil und Erfahrung mit dieser Art von Spielen kann nicht schaden. Etwas unglücklich geraten sind die sprachbasierten Rätseleinlagen. Da das Spiel im Original in Französisch produziert wurde, geht hier und da etwas in der Übersetzung verloren oder man kommt nur drauf, wenn man sich die Wörter in Französisch ins Gedächtnis ruft. Dank Tippgeber steht man aber auch hier nicht lange an.

Trotz einiger Jahre auf dem Buckel, überzeugt das Spiel noch immer mit einer hübschen Comic-Grafik und geschmeidigen Animationen. Auf dem oberen DS-Screen werden zudem in Dialogsequenzen immer die Gesichter der Gesprächspartner im Grossformat eingeblendet. Leider wurde auf eine Animation in Gesprächen zum grössten Teil verzichtet, ausser einem verwunderten Augenaufschlag oder sonstigen Emotionen gibt es dort nicht viel zu sehen. Das Design stammt übrigens von keinem Geringeren als dem Zeichner DAVE GIBBONS der durch die "Watchmen"-Comics berühmt wurde. Die Schauplätze warten alle mit jeder Menge Details aus und die Charaktere sind schön ausgearbeitet. Dafür muss man aber auf Sprachausgabe verzichten und auch sonst ist der Sound zwar gut gelungen, aber die Qualität, wohl wegen zu starker Komprimierung, eher kratzig und krächzend. Trotzdem trägt der Sound gut zur Krimiatmospähre bei. Das liegt natürlich auch an der spannenden Story, die einen tief das Netzwerk aus Mord, Totschlag und Verschwörung eintauchen lässt.

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