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Filmlizenzspiele: Segen und Fluch zugleich

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Heute gehört es ja schon fast zum guten Ton, zu einem Hollywood-Blockbuster das passende Videospiel zu lancieren. Doch leider haben Filmversoftungen oft ein grosses Problem: sie sind einfach miserabel und werden der Vorlage kaum gerecht. Warum das so ist und was wir in Zukunft erwarten dürfen lest ihr in diesem Artikel.

Die Liste missratener Filmlizenzspiele ist lang und hat ein weitreichende Tradition. Schon in den frühen Achtzigern wurden solche Machwerke wie "Ghostbusters" oder "ET der Ausserirdische" auf die Spieler losgelassen. Letztgenanntes gilt bis heute sogar als eines der schlechtesten Spiele aller Zeiten. Es gab aber auch Ausnahmen von der Regel, wie beispielsweise die "Indiana Jones"-Spiele aus dem Hause Lucas Arts, doch auch hier war nicht alles Gold was glänzt. Da der Markt mit Lizenzspiele früher noch recht überschaubar war, war der Run auf solche Spiele entsprechend gross. Die Aussicht darauf, mit den Helden der Leinwand Abenteuer zu erleben, liess jeden Zweifel in den Hintergrund rücken und man hat sich die Spiele praktisch ohne zu zögern gekauft. Die Taktik der Macher ging auf und die Spieler schauten in die Röhre. Den sobald man eines dieser besagten Lizenzspiele gestartet hat, kam die böse Ernüchterung schon nach wenigen Minuten. Die auf der Packung angepriesene Spielerfahrung wurde nicht mal ansatzweise erreicht, vielmehr merkte man schnell, das Filmlizenz gleichbedeutend war mit schnell runtergekurbelten Billig-Games, die ausser dem Namen und evtl. der Musik nichts mit der Vorlage gemeinsam hatten.

Zu viel vor, zu wenig Zeit
Da die Verkaufszahlen den Entwicklern aber Recht gaben, wurde munter an der Formel "Teuere Lizenz gepaart mit mieser Umsetzung" festgehalten. Dies gilt bis heute und vermutlich ist jeder schon in den Genuss eines Lizenzspiels gekommen, das auf gut Deutsch einfach Müll war. Neben dem schnellen Geld gibt es aber auch noch einen anderen Grund, weshalb wir oftmals mit einem minderwertigen Game zu unserem Lieblingsfilm auskommen müssen. Die Entwicklerstudios stehen unter einem enormen Druck, dass Spiel jeweils bis zum Kinostart fertigzustellen. Da man aufgrund der Filmproduktion aber häufig erst recht spät mit der Programmierung beginnen kann, schlägt sich der Zeitmangel dann immer wieder in der Qualität der Spiele nieder. Ein gutes Beispiel dafür ist "Enter The Matrix" das sehr gute Ansätze hatte und die Geschichte zum Film sinnvoll ergänzte. Doch die Entwickler hatten grosse Mühe bis zum Filmrelease fertig zu werden und so hat man am Schluss ein Spiel auf den Markt geworfen, das noch deutliche Macken und jede Menge Bugs enthielt. Teilweise haben ganze Texturen gefehlt und es war auf den ersten Blick zu erkennen, dass die Entwickler noch gut ein paar Wochen für das Finishing benötigt hätten. Dumm nur, dass natürlich alle "Matrix"-Fans nicht widerstehen konnten die Filmaction nachzuspielen, wodurch das Game zu ordentlichen Verkaufszahlen gekommen ist. Die Folge war, dass ein Fortsetzung programmiert wurde, die letztendlich zwar besser aber bei Weitem nicht perfekt war. Bei zweiten Mal war die Käufer aber klüger und straften das Spiel einfach durch konsequente Nichtbeachtung.

Rebellion der Gamer
Und dies ist auch der Ansatz, wo wir Spieler dafür sorgen können, in Zukunft nicht mehr mit solchem Softwaremüll überflutet zu werden. Als Gamer habe ich heute einen gewissen Anspruch an meine Spiele und es reicht längst nicht mehr, wenn die Spielfigur in etwa so aussieht, wie der Filmcharakter. Siehe "Iron Man", wo einmal mehr viel Potenzial durch schlampige Programmierung verschenkt wurde. Ebenfalls reicht es nicht mehr, einfach nur ein bewährtes Spielkonzept herzunehmen und das Ganze auf den entsprechenden Film zu trimmen, wie beim kommenden Spiel zum neuen "Star Trek"-Film. Hier wurde das altgediente Aracde-Shooter-Konzept kurzerhand auf das "Star Trek"-Universum umgemünzt, was zwar schick aussieht, aber in etwa den Unterhaltungswert eines regnerischen Sonntagnachmittags hat. Als Gamer hat man heute zum Glück umfassende Möglichkeiten sich über kommende Spiele zu informieren. Trailer, Berichte und nicht zuletzt Demoversionen sollten vor dem Kauf genutzt werden um vor bösen Überraschungen bewahrt zu bleiben.

Es geht auch anders
Aber es gibt natürlich auch positive Beispiele, die zeigen, dass Lizenzspiele durchaus etwas taugen können. So war "Das Bourne-Komplott" zwar nicht der Überhammer, doch ein ordentliches Action-Spiel, das den Flair der Filme gut eingefangen hat. Auch die beiden "Riddick"-Spiele, die nun in der Neuauflage des ersten Teils in einem Bundle erhältlich sind, zeigen wie gut Spiele zum Film wirklich sein können. Ebenfalls überraschend gut, wenn auch nicht überragend, war das Spiel zum Film "Quantum of Solace". Das Bond-Abenteuer wurde als reinrassiger Shooter inszeniert, der mit viel gescripteten Events einen Hauch von Hollywood in die Wohnzimmer brachte. Sehr viel Hoffnung liegt auch auf dem kommenden "Ghostbusters"-Game, das sogar als offizielle Fortsetzung der beiden Filme gilt und von den Originalmachern in Szene gesetzt wurde. Die Entwickler sind sich der Fanbase zudem durchaus bewusst und versprechen, es diesmal nicht zu vergeigen. Auch "Wanted", welches weit nach dem Kino- und DVD-Release erschienen ist, zeigt, dass es durchaus möglich ist, anständige "Spiel-Filme" zu produzieren. Die nötige Zeit und Gewissenhaftigkeit der Entwickler vorausgesetzt. Mit "X-Men Origins: Wolverine" rollt ebenfalls ein Titel an, der rein optisch schon mal einiges hermacht. Ob das an "God of War" erinnernde Gameplay dann auch verhält, kann demnächst auf GAMES.CH nachgelesen werden. Aber die Redaktion ist zuversichtlich, dass zumindest Actionfans auf ihre Kosten kommen werden.

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