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Spider-Man: Dimensions

Nichts für Arachnophobiker

Test Guest getestet auf Xbox 360

Die letzten Versoftungen der „Spider-Man“-Lizenz wurden immer wieder gemischt aufgenommen. „Spider-Man 2“ war ein durchaus respektabler Titel, während „Friend or Foe“ sogar unter Core-Fans für Kopfschütteln sorgte. Mit „Dimensions“ soll nun alles anders werden. Die kanadischen Entwickler Beenox haben sich zwar mit der Umsetzung von „Bee Movie“ und „Aliens vs. Monsters“ schon diverse Feinde gemacht – gut herauskommen könnte es eventuell trotzdem, oder?

Eindimensionales 4D-Spiel?

In „Spider-Man Dimensions“ spielt ihr Spider-Man. Beziehungsweise vier Spider-Men. Dafür gibt es einen ganz bestimmten Grund. Denn der „normale“ Amazing Spider-Man hat in einem Kampf mit einem seiner Erzfeinde Mysterio ein wertvolles Artefakt zerstört, das nun auf vier Dimensionen in viele Stücke zerbrochen hat. Unglücklicherweise gibt es in all diesen Realitätsebenen unzählige Superbösewichte, die natürlich Interesse an solch mächtigen und wertvollen Artefakten haben. Jeder Superbösewicht verspricht sich dadurch eine Steigerung seiner eigenen Kräfte. Eure Aufgabe ist es nun natürlich, all diese Scherben zurückzuholen und jeden einzelnen Widersacher dabei zur Strecke zu bringen. Dabei begegnet ihr allen Feinden Spider-Mans, die man sich so vorstellen kann. Da wäre Kraven der Jäger, Electro, Doc Oc, Carnage, Vulture, Hobgoblin und viele andere. Ein Freudenfest für Fans des Marvel-Krabblers. Leute die sich mit der Serie nicht so gut auskennen, werden oft Fragezeichen im Gesicht stehen haben, Insider werden aber bei jedem neuen Gegner ein Leuchen in den Augen haben. In diesem Sinne könnte man sagen, dass „Dimensions“ ein Nischen-Titel für Fans ist.

Die besprochenen Feinde finden in vier verschiedenen Realitäten des Marvel-Mutliversums statt. Zum einen wäre da Amazing Spider-Man, die Version die man auch aus dem Kino kennt. Zum anderen existiert auch Ultimate Spider-Man der ein Kostüm trägt, das dem von Venom nicht unähnlich ist, Noir Spider-Man, dessen Geschichte 1933 nach der grossen Depression beginnt und Spider-Man 2099, der aus einem futuristischen Szenario entspringt.
Leider spielen sich alle vier Varianten mehr oder weniger gleich. Mit Ausnahme des Spider-Man Noir, der sich wie ein Mix aus Batman und Sam Fisher spielt. Leider nur halb so gut, da die K.I. weder hartnäckig noch klug ist und euch nach dem Verschwinden in den Schatten sofort in Ruhe lässt.

Kämpfen, kämpfen, kämpfen

In gewissen Spielabschnitten erinnert „Dimensions“ an ein typisches Hack’n’Slay-Spiel, ich möchte gar meinen „God of War“. Ihr prügelt und springt euch quer durch Gegnerhorden, sammelt Spinnenessenz ein und könnt euch damit neue Fähigkeiten kaufen, die von simplen neuen Combos bis hin zu mehr Gesundheitspunkten alles beinhaltet, was das Superheldenherz begehrt. Leider wird der Kampf trotz diesen zahlreichen Upgrades nicht wirklich abwechslungsreicher, da alles am Schluss auf mehr oder weniger geschicktes Button-Mashing herausläuft.
Nicht nur die Kämpfe spielen sich gleich, nein jeder Level spielt sich ähnlich ab. Jeder Supervillain hat sein eigenes zu ihm passendes Reich, in das er euch schickt. So kämpft ihr euch im ersten Level durch Kravens Dschungel. Ihr trefft den Hauptgegner in jedem Abschnitt drei Mal, wobei der letzte Kampf den endgültigen Bossfight darstellt.
Diese Fights machen zwar durchaus Spass, haben aber insgesamt kaum Abwechslung und kaum Anspruch. Musste man früher bei Endgegnern noch herausfinden, wann und wie man angreifen muss, erhält man hier sogar Tips. So ist jeder Endkampf im Endeffekt ein reiner Spaziergang. Etwas fordernde und extensivere Kämpfe hätten nicht geschadet.
Vor allem fühlt man sich auch im Gebrauch des Netzes sehr unfrei. Richtig losgelöstes herumschwingen ist wegen der Schlauchlevels kaum möglich, so dass wirkliches umherspringen nur an gewissen, wenigen Stellen Sinn macht. Dazu kommt, dass die Steuerung dann zusammen mit der störrischen Kamera viele Nerven kosten kann, etwa wenn man auf einen ganz bestimmten Vorsprung schwingen will.
So könnte man sagen, erinnert „Dimensions“ in vielerlei Hinsicht dem damaligen PSone-Titel.

Fantastisches Art Design

So nervenkostend das Gameplay an gewissen Stellen auch sein kann, so fantastisch ist wiederum das Art Design. Selten hat man eine derart reiche künstlerische Gestaltung in einem Spiel beobachten dürfen.
Jeder der vier Spider-Men befindet sich in einem total unterschiedlichen Setting. Während der Amazing Spider-Man noch mit dem üblichen Cel-Shading-Stil die Augen zu begeistern weiss, so sind die Farben bei Ultimate Spider-Man viel kräftiger und satter. Der Spider-Man 2099 weiss durch das abgefahrene Zukunftsdesign zu begeistern und der Noir-Spidey ist ganz in Sepia und schwarz/weiss gehalten.
Die Umgebungen sind manchmal etwas detailarm und einige Texturen sind matschig – Visual Effects wie die zahlreichen Blitze im Electro-Level lassen einen das wieder verzeihen, denn gerade solche Abschnitte sind tatsächlich wahre Augenweiden.
Spidey-Fans legen sich dieses Spiel eigentlich schon alleine aus diesem Grund zu.

Electro Light Orchestra?

Auch positiv sticht die Vertonung hervor. Ganz in englisch mit Untertiteln gehalten, reisst Peter Parkers alter Ego nach bekannter Manier einen Spruch nach dem anderen, dass einem das Grinsen kaum mehr vom Gesicht geht. Dabei zieht er nicht nur Referenzen zu anderen Comic-Helden, sondern auch zur momentanen Popkultur. Was die Dialog-Schreiber während des Verfassens geraucht haben, wollen wir eigentlich nicht genauer wissen. Ganz grosses Kino! Unter anderem wirkt Neil Patrick Harris als Spider-Man mit. Harris ist durch die amerikanische Sitcom „How I Met Your Mother“ in der Rolle des Barney Stinson berühmt geworden.

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