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God of War: Ghost of Sparta

„Einmal Steak, rare, bitte!“

Test Guest getestet auf PSP

Die PSP muss immer wieder ihr Existenzrecht verteidigen, gibt es doch den Nintendo DS, gibt es doch ein iPhone mit vielen günstigen Spielen und ebenfalls 3D-Grafik. Schon der Vorgänger „Chains of the Olympus“ hat dieses Recht mit grimmigen Blicken und scharfen Klingen verteidigt. „Ghost of Sparta“ folgt dieser Tradition zweifellos und bietet ein Action-Adventure-Spektakel, wie es nur ein Spiel der „God of War“-Reihe präsentieren kann.

„Ghost of War: Ghost of Sparta“ ist weder ein Prequel, noch ein Sequel. So spielt sich das tragische Geschen direkt nach den Ereignissen von „God of War“ ab - aber vor Teil zwei.
Kratos, immer noch geplagt von albtraumhaften Visionen, macht sich auf die Suche nach seinem Bruder und legt dabei so einiges in Schutt und Asche. Wir erfahren mehr über den Zwist zwischen Kratos und Poseidon und verfolgen mit eigenen Augen das Schicksal von Atlantis.

Die Reise geht weiter…

Die Jungs von Ready At Dawn feuern hiermit ein weiteres, meisterhaftes Feuerwerk an griechischer Mythologie ab, dass die Götter im Olymp sowie Homer und seine Dramtikerkollegen ihre wahre Freude daran hätten.
Historische oder mythologische Vorlagen sind ja grundsätzlich immer schwierig umzusetzen, da die Entwickler meist wenig Spielraum haben, um ihrer eigenen Fantasie freien Lauf zu lassen. Nicht so bei der „God of War“-Reihe, die nun auch in ihrem fünften Spiel noch lange nicht all ihr Pulver verschossen hat. Es ist unglaublich mit welcher Inspiration die antiken Sagen zum Leben erweckt werden, besonders dann, wenn einem die Namen verschiedenster Örtlichkeiten bisher nur in Form von Buchstaben im Rahmen einer Teilnahme an einem altsprachlichen Gymnasium bekannt waren.
Dieses Mal besuchen wir das Innere des mystischen Methana-Vulkanes, die Stadt Heraklion auf Kreta, verschneite Pässe und, und, und. Zwar durchstreifen wir auch dieses Mal wieder zerfallende Ruinen, aber die virtuelle Sagenwelt ist abwechslungsreicher als je zuvor. Hier ist die Geschichte keine Ausrede, um fabelhafte Zwischensequenzen und atemberaubende Action zu bieten. Nein, die Geschichte ist da, weil sie erzählt werden will. Und das macht die „God of War“-Reihe so brillant.

Doch haben sich die Entwickler nicht nur im Art-Design selber ein kleines Denkmal gesetzt, sondern auch in Sachen Technik. Dass die PSP tatsächlich fähig ist, eine solche Grafik zustande zu bringen, ist kaum zu glauben. Die Animationen von Kratos und seinen Widersachern sind brillant, die Kamerafahrten spektakulär, die Texturen edel. Dazu sind die Schauplätze derart gut ausgeleuchtet, dass die Optik dadurch noch einmal an Ansehnlichkeit gewinnt. Zwar gibt es hier und da Slowdowns bei der Framerate und einige Areale sind etwas zu dunkel geraten – das sind aber Dinge die man schnell verzeihen wird, denn ein solches Grafikgewitter findet man sonst nicht zweimal, schon alleine, weil sich im Vergleich zum Voränger noch mehr Gegner auf dem Bildschirm tummeln als zuvor.

Schlachtplatte

In Sachen Gameplay hat sich erwartungsgemäss nicht viel getan. Wie in den anderen „God of War“-Spielen sorgt man für Tumult und hackt sich durch die Gegnerscharen. Zwar gibt es eine Handvoll neuer Angriffe sowie neue Magiefähigkeiten, aber rein spielmechanisch bleibt alles beim Alten. Das ist ausnahmsweise keine Kritik. Ready At Dawn hat nämlich das gemacht, was die Fans von „Ghost of Sparta“ erwartet haben. Eine tolle Bedienbarkeit, spannende Kämpfe in der perfekten Balance zwischen Anspruch und Hack’n’Slay sowie die gewohnt simplen Hüpf- und Rätselsequenzen. Nicht mehr, nicht weniger. Neu kämpft Kratos übrigens auch mit Schild und Speer, was auch erstaunlich eingängig funktioniert.
Zwar hat die Steuerung ab und zu ihre schwachen, beziehungsweise hakeligen Momente, aber die sind zu selten, als dass man sich darüber aufregen könnte.
Bei „God of War III“ auf der PS3 wurde zum Teil die äusserst brutale und blutige Vorgehensweise von Kratos kritisiert, doch das scheint den kratzbürstigen Spartaner keinen Deut zu scheren. Weiterhin knickt er fröhlich Knochen um, sticht Augen aus, erwürgt und köpft. Der rote Lebenssaft fliesst ebenfalls in Fontänen, dass Quentin Tarantino Freudentränen vergiessen würde. Ein Schlachtfest für die nicht ganz so zart Besaiteten. Man könnte an dieser Stelle die Gewaltdebatte wieder vom Zaun brechen, aber das hätte keinen Sinn. Kratos ist Kratos, „God of War“ ist „God of War“ und die Gewalt des Spiels gehört einfach mit dazu, sie gehört zur Stilistik und Ästhetik des Spiels und hat so ihre Existenzberechtigung. Basta.

Kinoreif

Besonders für PSP-Verhältnisse dröhnt der epische, „GoW 3“ in nichts nachstehende Soundtrack exzellent aus den kleinen Boxen beziehungsweise den Kopfhörern (empfohlen!). Die ganze Bandbreite an folkloristischen Instrumenten des nahen Ostens von Oud über die armenische Duduk bis hin zum griechischen Bouzouki ist neben dem Orchester alles zu hören, was irgendwie zu „God of War“ passt. Das Resultat: Mehr Gänsehaut als einem lieb ist.
Die Sprachausgabe ist ebenfalls gewohnt gelungen, Kratos beschimpft die Götter immer noch miesgelaunt in bester blasphemischer Manier und auch die übrigen Charaktere sind toll besetzt. Technisch hat das Entwicklerteam aus den Zwischensequenzen das Bestmögliche herausgeholt. Wann gibt es eigentlich eine Verfilmung, bitteschön?

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