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Splatterhouse

Geschnetzeltes mit Ketchup

Test Guest getestet auf PlayStation 3

Es ist lange her: 1988 kam für TurboGrafx-16 ein Spiel heraus, das sich nicht unbedingt durch seine spielerischen Qualitäten, als vielmehr mit einem extremen Gore-Faktor in die Herzen der Spieler mordete. „Splatterhouse“ hat es trotz Gameplay-Mängel vor allem dank seinem Charme in die Liga der Kultspiele geschafft. Nun, 22 Jahre später, wird das Spiel von Namco Bandai neu aufgelegt. Die Fans werden ihre blutige Freude haben.

Die sogenannte „Killerspiel-Debatte“ ist mittlerweile ein alter Hut. Das könnte man zumindest meinen, wenn man sich „Splatterhouse“ zu Gemüte führt. Denn was dort an Blut und brutalster Gewalt gezeigt wird, ist noch nicht wirklich dagewesen. Das Spiel wird in Deutschland gar nicht erst erscheinen und dürfte auch hierzulande nicht auf Gegenliebe seitens der Jugendschützer stossen. Sollte der Berner SP-Präsident Roland Näf von diesem Spiel Wind bekommen, wird er entweder Zeter und Mordio schreien, oder ob des fehlenden Erfolges seiner Anti-Killerspiel-Kampagne  in Tränen ausbrechen.

Doch da zeigt sich eine der Grundverschiedenheiten zwischen Spieler und Entwicklern auf der einen Seite und Politikern auf der anderen Seite.

Dort, wo Jugendschützer und Anti-Actionspiel-Kämpfer nur Mord und Totschlag sehen, werden Spieler fähig sein zu lachen. Warum? Das lest ihr in diesem Test.

Déjà-Vu

Moment, was war noch die Story aus den originalen „Splatterhouse“-Spielen? Ach ja, der Held Rick will seine Freundin Jennifer aus den Klauen des wahnsinnigen „Nekrobiologen“ Dr. West befreien, der sie in seinem „Splatterhouse“ festhält. In jedem einzelnen Titel war das so. Und auch dieses Mal ändert sich an dieser kultigen, wenn auch lächerlichen Story nichts. Irgendwie stolpern Rick und Jen in das Anwesen des sympathischen Herrn West und werden dort natürlich umgelegt. Zumindest Rick, der nun in seinem eigenen Blut liegt und auf den endgültigen Tod wartet, während Dr. West Jennifer verschleppt. Rick dämmert langsam weg, als er kurz vor dem Ende plötzlich von der sogenannten Terror-Maske mehr oder weniger wiederbelebt wird und zu einem überstarken Muskelpaket mutiert. Und in der Folge Monster auseinandernimmt, um seine Geliebte zu retten.

Klingt stumpf, ist es auch. Zwar gibt es zwischendurch immer wieder durchaus gute Momente im Storytelling, insgesamt sind die aber Nebensache.

Schwarzer Humor

Die Atmosphäre von „Splatterhouse“ ist klar an die Horrorfilme der Achtzigerjahre angelehnt. Viel Trash, viel Vulgarität, viele fiese Sprüche. Die Sprachausgabe ist übrigens (zum Glück) komplett in Englisch gehalten. Für Nichtenglischsprechende gibt es auch gut übersetzte Untertitel. Die Gespräche zwischen der Maske, die Rick in seinem Kopf hört, und ihm selber sind toll und sorgen immer wieder für hämisches Grinsen. Zwischen tiefsinnigem Philosophieren und vulgärsten Sprüchen findet sich fast alles, was in die Sparte des schwarzen Humors passt.

So nimmt sich „Splatterhouse“ auch gar nicht ernst. Natürlich ist die Essenz des Spieles die Gewalt an sich und nichts anderes. Aber gerade das hat den Entwicklern viel Raum gegeben um selbstironisch Horrorszenarien und das eigene Genre zu reflektieren. Beispiel: Das Haus von Dr. West scheint grösser zu sein, als es eigentlich aussieht, im Innern befinden sich Katakomben und gewaltige Fallen. Darauf fragt Rick, wie jeder der eigentlich noch einen Verstand besitzt: „Wer hat das eigentlich alles gebaut?“ Und schon stürzen die Logikgebilde des Spieles zusammen – auf eine humorvolle Art und Weise. Das gefällt.

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