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Nail'd

G'nagelt?

Test Guest getestet auf PlayStation 3

Typische Funracer waren in der letzten Zeit, bei genauerem Nachdenken, erstaunlich rar. Es scheint fast, als wäre das Genre, das noch auf der PlayStation 2 Tradition zu haben schien, langsam am Verschwinden. Doch das wollen die Entwickler von Techland nicht zulassen und veröffentlichen mit „Nail’d“ einen puren, arcadigen Funracer.

Techland haben sich schon länger nicht mehr an einem Racer versucht. In der letzten Zeit sind sie nämlich eher durch die coolen Western-Ego-Shooter „Call of Juarez“ aufgefallen. Doch früher haben sie bereits Spiele wie „Xpand Rally“ entwickelt – Offroadspiele sind also keine Neuigkeit für die Polen. Nur bewegt sich „Nail’d“ in einer anderen Sparte „Rennspiel“, nämlich dem Funracer, der sich nicht um die Gesetze der Physik schert und aberwitzige Tracks präsentiert, wie man sie wohl nur nach der Einnahme gewisser illegaler Substanzen herstellen kann.

**Adrenalin!
**
Genrevertreter zeichnen sich ja nicht durch Realismus aus. Im Gegenteil – je abgefahrener die Strecke und je weniger realistische Physikgesetze desto besser!

Diese Attribute sind aber nur da, um das wichtigste Feature eines Funracers zu verstärken: Adrenalinschübe. Und die werden verursacht, indem man den Spieler auf eine Gratwanderung schickt, die immer knapp an der Grenze zur Überforderung liegt.

In den ersten Momenten nimmt einen „Nail’d“ absolut mit. Die Geschwindigkeit ist atemberaubend, die Blureffekte ansehnlich und die Strecken voll Wahnsinn wie unmöglichen Steigungen, plötzlich an euch vorbeifliegenden Jumbojets und allerlei anderem Kram.. 

Doch nach einiger Zeit reicht das nicht mehr. Die Tracks sind zwar wirklich nicht von schlechten Eltern, es gibt tausend Wege, sie zu beenden und an Verrücktheit haben sie überhaupt nicht gespart – Das ist an sich okay. 

Aber das Spiel schlicht zu einfach. Ich meine damit nicht die fehlende Intelligenz seitens der Mitfahrer – die lässt sich auf „schwer“ durchaus sehen (und wir empfehlen erfahreneren Spielern nur diesen Schwierigkeitsgrad). Das Problem liegt eher im Gameplay. Wirklich eng wird es im Chaos trotz wenig Übersicht nie. Und auch trotz der wahnwitzigen Geschwindigkeit ist es ein Leichtes, die Tracks vorherzusehen. 

Es gibt natürlich Schikanen, die man nicht voraussehen und erst nach mehreren Runden wirklich geistig erfassen kann. Auch das ist problematisch, weil vor allem diese Streckenabschnitte für Stürze sorgen. Die Schikanen sind aber meist keine fiesen Tricks, sondern schlichtweg Sprünge, für die man entweder zu wenig oder zu viel Fahrt hat und dementsprechend irgendwo reinknallt. Andere Stürze sind eher selten.

Ja, „Nail’d“ ist ein Funracer mit starken Arcadeanleihen. Aber selbst Arcadespiele dürfen einen gewissen spielerischen Anspruch haben. Dass dies möglich ist, hat uns auf der PlayStation 2 schon „Downhill Domination“ gezeigt. Trotz anspruchsvollem Gameplay muss noch lange keine Simulation erschaffen werden.

Da hat „Nail’d“ vor allem Langzeitpotenzial verschenkt. Denn wo „Downhill Domination“ lange Spass gemacht hat, wird „Nail’d“ nach genügend Spielzeit eintönig. Ein mehrmaliges Durchspielen der Meisterschaften steht also eher nicht auf dem Programm. Dies liegt aber sicher auch daran, dass man keinen Reiz zum Freispielen hat. Es existieren lediglich Motorräder und ATVs. Diese kann man zwar selber zusammenbasteln, aber einen spielerischen Unterschied ergibt sich dadurch nicht.

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