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Agents of Mayhem - Test

Agenten mit Identitätskrise

Test Video JoelK getestet auf PlayStation 4

Was genau uns an einem Videospiel fasziniert, kann stark variieren. Ob es nun eine mitreissende, emotionale Story ist oder motivierendes, forderndes Gameplay. Manchmal reicht auch schon die Möglichkeit, mit Freunden Chaos in einer virtuellen Umgebung anzurichten. "Agents of Mayhem" von Volition, dem Team hinter "Saints Row", hat keines der oben genannten Dinge zu bieten und trotzdem übt es eine morbide Faszination aus. Die Hintergründe wie ein Spiel gleichermassen so durchdacht und hochwertig, aber auch unfertig und langweilig sein kann, regt zu wilder Spekulation an. "Agents of Mayhem" will alles, macht es aber auch alles richtig?

Agents of Shield trifft auf Saints Row

Noch zu Anfang zeigt "Agents of Mayhem" seine beste Seite. Mit einer animierten Zwischensequenz, die an hochwertige Cartoon-Serien erinnert, führt uns das Spiel in seinen Kosmos ein. Schnell wird klar, hier wird auf den aktuelle Superhelden-Trend gesetzt. Doch Volition nimmt sich hier - ähnlich wie in "Saints Row" - zu keiner Zeit besonders ernst. Tatsächlich wird im Verlauf der Story immer wieder betont, dass "Agents of Mayhem" im selben Universum spielt, wie zuvor schon "Saints Row". Stilistisch bewegt sich der Titel allerdings in neuen Gewässern und geht eher in die Richtung von "Crackdown". Wir schlüpfen nämlich in die Haut von einem der zwölf Geheimagenten der Organisation M.A.Y.H.E.M. Mit einem Team aus drei Agenten bekämpfen wir im südkoreanischen Seoul den Bösewicht Dr. Babylon. Doch anstatt diese Klischees für überraschende Momente einzusetzen, wie es noch "Saints Row 4" gemacht wurde, wird genau das geboten, was man erwartet. Im Verlauf von rund 20 Stunden bekämpfen wir Dr.Babylon in zahlreichen Missionen - ohne jegliche Kreativität im erzählerischen Bereich. Ein wirkliches Ende findet die Story auch nicht und am Schluss lässt uns das Spiel mit einem Teaser zurück. Die Story ist also nur ein loser Faden, um das Gameplay zusammenzuhalten. Anders verhält es sich mit dem Universum insgesamt. Die bunten Charaktere haben alle ihren Charme und gerade die Zwischensequenzen machen Lust auf eine "Agents of Mayhem"-Serie.

Screenshot

Auch ausserhalb der Zwischensequenzen macht "Agents of Mayhem" optisch eine gute Figur. Der Hauptschauplatz Seoul ist im bunten Neon-Look gehalten und erinnert dank Cell-Shading an Spiele wie "Borderlands" oder "Crackdown". Die Farbpalette ist dabei je nach Distrikt anders, auch wenn nach einer Weile eine gewisse Monotonie Einzug hält. Besonders, wenn es darum geht, die schön gestaltete Stadt zu beleben, tut sich "Agents of Mayhem" sehr schwer. Weder Fahrzeuge noch Fussgänger reagieren in irgendeiner Weise auf den Spielercharakter, ausser man rempelt sie direkt an. Auch wenn es viel zu entdecken gibt, schafft es die Welt nie so glaubhaft zu wirken, wie in anderen Open-World-Titeln. Anders sieht es da bei den zwölf Helden aus, diese sind allesamt sehr verschieden, sowohl vom Charakter, als auch optisch. Dadurch, dass jeder seine kurze animierte Hintergrundgeschichte erhält, drängt sich der Vergleich zu "Overwatch" auf - nicht im Gameplay, aber im Charakterdesign. Die schon fast zwanghaft in Ethnie und Herkunftsland diverse Gruppe aus Agenten wachst einem schnell ans Herz, auch wenn die einzeln vertonten Dialoge ruhig etwas mehr im Rampenlicht stehen könnten. In der hektischen Ballerei geht so mancher lustiger Spruch unter. So sehr die exzellenten Sprecher auffallen, so sehr geht die Musik unter. Da man meistens zu Fuss unterwegs ist und es auch in Fahrzeugen keine Radiostationen gibt, bleibt der Soundtrack kaum im Gedächtnis. Lediglich die Titelmelodie jedes Charakters, die während des Einsatzes der ultimativen Fähigkeit zu hören ist, sticht heraus.

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