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AppleTV+: Mythic Quest - Raven’s Banquet - Special

Wie cool kann eine Schaufel sein?

Artikel Video Steffen Haubner

Wie cool kann eine Schaufel sein? Das ist die Frage, die die Macher des MMORPGs "Mythic Quest" umtreibt. Eine Frage von geradezu staatstragenden Dimensionen, denn das Werk hat bislang 11,6 Milliarden US-Dollar eingespielt und damit frühere Meilensteine wie "Gothic King", "The Rose Chronicles" und sogar "Loaded Hazard" weit hinter sich gelassen. Mit entsprechender Spannung wird von der Fangemeinde das Add-on "Raven's Banquet" erwartet, das in Kürze erscheinen und den Megaerfolg zementieren soll. Da liegen die Nerven natürlich blank, eine interne Schaufeldebatte kommt dem "Mythic Quest"-Team also denkbar ungelegen.

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Falls sich an dieser Stelle jemand fragt, was er verpasst hat: "Mythic Quest" gibt es ebenso wenig wie "Loaded Hazard" oder einen der anderen Titel. Es handelt sich um ein "Apple Original", eigens gedreht für Apples im Herbst vorigen Jahres gestartetes Streaming-Portal "Apple TV+" (Details zu "AppleTV+"), das ab 7. Februar auf Sendung geht. Produktionsfirma ist Lionsgate, die dabei von Ubisoft unterstützt wurde. Von daher ist es kaum verwunderlich, dass vieles an dem fiktiven Rollenspiel-Epos an Ubisofts unkaputtbare History-Reihe "Assassin's Creed" denken lässt. Parallelen zu tatsächlichen Aktivitäten und Angestellten des französisch-kanadischen Games-Konzerns sind natürlich rein zufällig, lassen sich aber durchaus ziehen.

Penisse von der Community

Aber zurück zum Wesentlichen, nämlich zur Schaufelfrage. Benutzt man eine Schaufel nur zum Schaufeln, oder eignet sich so ein Ding auch ganz vorzüglich zum Enthaupten von Gegnern und stellt damit ein prädestiniertes Waffen-Item dar? Erstere Position vertritt ganz entschieden "Mythic Quest"-Chefingenieur Poppy Li (Charlotte Nicdao), die in dem Werkzeug vor allem ein Instrument für das - selbstverständlich bahnbrechende - neue Terraforming-Feature sieht. Das Gegenargument, dass die Community damit am Ende sowieso nur Penisse in die virtuelle Landschaft buddle, lässt sie nicht gelten. Creative Director Ian Grimm sieht das vollkommen anders und erklärt die Schaufel kurzerhand zur Chefsache. Gespielt wird er von Rob McElhenney, der auch als Produzent an dem Projekt beteiligt ist.

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Schaufel für den Erfolg: Creative Director Ian Grimm

Der selbstverliebte Hipsterbartträger, der gern auch mal mit entblösstem Oberkörper für Werbevideos posiert und in seinem gläsernen Büro eine riesige Streitaxt aufbewahrt, ist einer der gelungensten Charaktere der Serie. Wer schon öfter mal das Vergnügen hatte, einen echten Creative Director zu interviewen, erkennt sofort die typische Mischung aus Charisma, Sendungsbewusstsein und unterschwelliger Resignation. Das aktuelle Produkt ist nämlich niemals nur ein Spiel, sondern ein epochales Kunstwerk, das die gesamte Geschichte der Menschheit widerspiegelt und die Branche, ach was, das Schicksal der Zivilisation für immer verändern wird! Das heisst, vermutlich wäre es so, wären da nicht die unzureichenden Produktionsbedingungen, unfähige Mitarbeiter, nervige Erbsenzähler wie der "Head of Monetization" mit dem schönen sprechenden Namen Brad Bakshi (Danny Pudi) und natürlich allen voran die lästigen Kritiker, die eine künstlerische Vision dieses Kalibers vermutlich wieder mal nicht begreifen werden. Ebenso wenig übrigens wie der eigentlich völlig überflüssige Executive Producer David Brittlesbee (David Hornsby), dessen grösste Sorge es ist, nicht zu einem wichtigen Meeting eingeladen zu werden, und dessen übermotivierte, dafür aber völlig ahnungslose junge Assistentin ein wandelnder Shitstorm-Generator ist.

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