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Déraciné (VR) - Test / Review

Mein Freund, der Geist

Test Video olaf.bleich getestet auf PlayStation 4

Zeitreise in Wachsfigurenkabinett

Wenige Zeit nach dem Start von „Déraciné“ geschieht ein Unglück und ihr erhaltet den Auftrag dieses rückgängig zu machen. Während storylastige Spiele wie „Dear Esther“ fast vollständig auf Rätsel verzichten und den Fokus auf die Geschichte, Charaktere und Emotionen legen, möchte „Déraciné“ in seinem Herzen ein traditionelles Adventure sein. Das stört tatsächlich die einzigartige Atmosphäre. Im Verlauf reist ihr zurück in der Zeit, um die Geschehnisse aufzuklären. Wenn ihr bestimmte Rätselketten gelöst habt, verändert ihr so die Vergangenheit. Dass das aber nicht immer die Lösung aller Probleme bedeutet, wissen wir spätestens aus „Zurück in die Zukunft“ oder aus „Butterfly Effect“.

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Trotzdem zieht euch „Déraciné“ schnell in seine Welt herein. Gerade die zu Salzsäulen erstarrten Menschen, die förmlich in ihrem Allzug eingefroren wurden, bilden eine ganz eigene Kulisse. Und während anfangs noch alles recht harmlos und brav daher kommt, zieht „Déraciné“ später auch düstere Saiten auf. Dennoch gibt es einige Schwächen: Das Rätseldesign basiert grösstenteils auf Sammelaufgaben. Wir rennen also zu Punkt A, suchen dort nach Hinweisen und Gegenständen und gehen danach zu Punkt B. An dieser Stelle kommt die nicht ganz unproblematische Steuerung ins Spiel: Die Wege sind vergleichsweise lang und so erkauft sich „Déraciné“ seine für einen VR-Titel lange Spielzeit mit jeder Menge Rennerei und gelegentlichen Frustmomenten.

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Vergessen wir nämlich irgend etwas, müssen wir natürlich wieder zurück. „Déraciné“ besitzt ein eher gemächliches Tempo und gewinnt seinen Reiz letztlich daraus, dass man sich zwischendurch Zeit lässt, um die Stimmung und das Drumherum zu geniessen. Die Playstation VR leistet dabei gute Dienste: Die Umgebung und die Menschen wirken herrlich plastisch und so erzeugt das Abenteuer den Eindruck eines Besuchs im Wachsfigurenkabinett. Ob euch das gefällt, hängt stark von euren persönlichen Ansprüchen an. Wer gerne alternative Spielerfahrungen sucht, der wird hier – trotz Designmacken – auf jeden Fall fündig.

Fazit

„Déraciné“ übt sicherlich eine ganz besonderen Reiz aus. Das VR-Abenteuer besticht durch seinen ruhigen Spielablauf und die stimmungsvolle Atmosphäre. Die Steuerung auf Basis der Move-Controller ist sicherlich nicht die präziseste Variante, funktionierte aber im Test ordentlich. Spielerisch gibt sich „Déraciné“ als genügsames, wenn auch mitunter etwas gestreckt wirkendes Point&Click-Adventure, das die Möglichkeiten der Zeitreise und der damit einhergehenden Veränderungen „nur“ ordentlich nutzt. Allerdings fehlten uns die etwa aus „Life is Strange“ bekannten ganz grossen Konsequenzen unserer Taten. So mag zwar „Déraciné“ das aufblühende Genre der VR-Adventures nicht neu erfinden, weicht aber trotzdem von den vielen Gruselschockern ab und setzt mit einigen cleveren Ideen ein Zeichen. Ein absolutes VR-Must-Have ist „Déraciné“ sicher nicht, wohl aber eine willkommene Abwechslung.

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