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Fallout 76 - Test / Review

Bethesdas Ödland-Baustelle

Test Video olaf.bleich getestet auf PlayStation 4

Den Unterteller brauche ich

Letztlich richtet sich „Fallout 76“ vor allem an beinharte Jäger, Sammler und Häuslebauer. Im Verlauf räumt ihr Häuser, Industrieanlagen und Stationen aus und füllt dabei euer Inventar mit allerlei Gegenständen. Diese verwertet ihr an Werkbänken. Mit Rohstoffen und Bauplänen bastelt ihr neue Ausrüstungsgegenstände oder baut euch gar ein mobiles Lager. Wie in „Fallout 4“ zieht ihr im Editor ein eigenes Haus hoch, postiert Geschütze und Deko-Objekte.

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Das grösste Hindernis ist dabei die vertrackte Steuerung. Egal, ob mit Gamepad oder mit Maus und Tastatur – Handling und Benutzerführung sind absolut unterdurchschnittlich und unkomfortabel. Trotz Tutorialmissionen und Bildschirmeinblendungen wirkt die Tastenbelegung umständlich und erfordert viel Einarbeitung. Immerhin: Die Shooter-Gefechte spielen sich ordentlich. Bethesda münzt das VATS-Zielsystem auf eine Art Auto-Aim um. Gerade Konsolenspieler profitieren in den hektischen Nahkämpfen davon. Nehmt ihr es in den Anfangsstunden noch hauptsächlich mit Ghulen oder Verbrannten auf, kommen im Verlauf Kreaturen wie das fliegende Scorchbeast oder der rosafarbene Snallygaster hinzu. Eure Talente verteilt ihr nun im bekannten S.P.E.C.I.A.L.-System mit Hilfe von Spielkarten. Das klappt überraschend gut und erlaubt das dynamische Anpassen eures Charakters, während ihr noch unterwegs seid. Die ebenfalls integrierten Survival-Elements sind längst nicht so aufdringlich wie in anderen Spielen. Dank ausreichend vorhandener Ressourcen sind Hunger, Durst, Strahlung und Krankheiten zumiest kein Problem.

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Das Quest-Design kommt dabei selten über das Prädikat durchschnittlich hinaus. Kreative Ideen erstickt „Fallout 76“ zu oft unter Sammelaufgaben. Aus Vorgängern bekannte Elemente wie die Fraktionen stolpern über die tote Spielwelt: Ihr erledigt zwar Aufnahmeprüfungen, letztlich hat das aber keinen direkten Einfluss. Die Interaktion mit anderen Spielern beschränkt sich bislang sehr oft auf kurze Zusammenarbeit bei Events – also regelmässig erscheinenden Quests innerhalb der Spielwelt. Diese Einsätze bringen Spieler zwar zusammen, jedoch werden daraus nur selten langfristige Bündnisse. Greift ihr einen anderen Spieler an, wird dagegen ein Kopfgeld auf euch ausgesetzt. Ihr seid dann vogelfrei und die anderen Teilnehmer machen Jagd auf euch.

Fazit

„Fallout 76“ ist Bethesdas grösste Herausforderung. Das Spielkonzept stösst bei der Community nicht auf Gegenliebe, zugleich strotzt das Programm noch vor Fehlern. Das Action-Rollenspiel ist somit eine wahre Ödland-Baustelle. In den kommenden Monaten muss Bethesda deshalb an der Benutzerführung arbeiten und Fehlersuche betreiben. Doch auch das Quest-Design und speziell das Koop-Gameplay benötigen noch ein wenig Arbeit. Aktuell bezieht „Fallout 76“ seinen Reiz vor allem aus dem gemeinsamen Looten und Leveln, sowie aus dem weiterhin etwas störrischen Basisbau. Als Action-Rollenspiel mit gehörigem Shooter-Einschlag ist das Endzeit-Abenteuer leider eine handfeste Enttäuschung. Hoffentlich bleiben die Entwickler am Ball und bessern in den kommenden Monaten nach.

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