Games.ch

ID@Xbox-Line-up 2019 - Special

Diese sechs Spiele solltet ihr im Auge behalten

Artikel Benjamin Braun

Während der bislang grössten Hitzewelle dieses Jahres lud uns Microsoft nach München ein, um einige der kommenden Highlights aus dem ID@Xbox-Programm anzuspielen. Von den hohen Temperaturen haben wir uns natürlich nicht abschrecken lassen und möchten euch in diesem Special unsere sechs Favoriten aus dem Line-up vorstellen.

Es war nie leichter für unabhängige Entwicklerstudios, ihre Spiele auch auf Konsole zu bringen - womit wir deren Leistung keineswegs schmälern möchten. Doch die Konsolenhersteller leisten einen immer umfassenderen und besseren Support - Microsoft im Rahmen seines ID@Xbox-Programms seit mehr als fünf Jahren mit grossem Erfolg. In Anbetracht von 1.400 aktuell in Entwicklung befindlichen Spielen ist kein Abflauen im Indie-Sektor zu befürchten. In München konnten wir bei Microsoft einige der vielversprechendsten Indie-Titel anspielen, die vom klassischen Adventure über Rollenspiele, Survival-Horror oder Action-Adventures bis hin zu Rennspielen so gut wie jedes bedeutende Genre abdecken.

Auf den folgenden Seiten möchten wir euch unsere sechs Highlights des ID@Xbox-Showcases vorstellen, die allesamt neben Xbox One auch für andere Plattformen (PC und weitere Konsolen) erscheinen. Warten müsst ihr dabei auf keines allzu lang, denn sie alle sollen bis Ende dieses Jahres erhältlich sein.

Afterparty

Genre: Adventure
Entwickler: Night School Studio
Release: 2019
auch für: PC, PS4, Switch

Während Telltale Games inzwischen längst Geschichte ist, bereitet die unter dem Namen Night School Games vor einigen Jahren aus ehemaligen Mitarbeitern gegründete Spieleschmiede mit "Afterparty" den Release ihres zweiten Projektes vor. Auf den ersten Blick erinnert manches an ihr Erstlingswerk "Oxenfree", das mit seinem enorm dynamischen, Entscheidungs-basierten Dialogsystem so manchen Adventure-Freund in Verzückung versetzt hat. "Afterparty" hat inhaltlich allerdings mit "Oxenfree" nichts gemein. Ihr schlüpft in die Rollen von Milo und Lola, zwei Teenagern, die nach ihrem Tod in der Hölle landen. Ihr einziger Ausweg: Sie müssen in ihrer altgewohnten Partymanier Satan höchstpersönlich unter den Tisch saufen.

Am Dialogsystem an sich ändert sich dabei zunächst mal wenig, obgleich die Sprache erheblich derber wird und Schimpfwörter an der Tagesordnung sind. Die Tragweite der Dialogauswahl und die damit direkt oder indirekt verknüpften Entscheidungen, wie wir sie aus "Oxenfree" kennen, lassen sich nach der 20- bis 30-minütigen Demo aber noch nicht abschätzen. Wie stark selbige allerdings überhaupt zur Auswahl stehen, kommt in "Afterparty" auf euren aktuellen Alkoholpegel an - und besonders darauf, was genau ihr euch gerade hinter die Binde gekippt habt. Manche Getränke machen euch eher melancholisch, andere aggressiver. Die Drinks in einer Bar, die wir mit Milo, Lola und deren neuer Dämonenfreundin Sam betreten, tragen jedenfalls aussagekräftigen Namen. "Famous Last Words" heisst einer, "Bloody Stool" ein anderer. Diese Art des Humors, inklusiver kotzender Dämonen, zieht "Afterparty" dann auch konsequent durch, ob nun auf einem Werbeschild für Dämonenhorn-Reparaturen geworben wird oder die von uns betretene Kneipe mit "Schoolyard Strangler", also praktisch "Schulhofwürger", einen Namen trägt, der einem ausserhalb der Hölle wohl nicht so schnell begegnen dürfte. Es wäre gelogen, wenn wir behaupten würden, dass wir nicht aus dem Lachen herausgekommen wären - der Autor dieser Zeilen lacht allerdings mit Vorliebe innerlich. Witzig ist das Spiel allemal, wenn einem diese Form von Humor zusagt. Kleines Beispiel: Nach einem Trinkspiel mit Geburtstagskind Thomas, der sich später als einer der berüchtigtsten Serienmörder des USA herausstellt, und dessen Dämonenkumpel wählen wir die Dialogoption, dass Lola bei ihrem Sieg Anfängerglück gehabt habe. Sam sagt uns daraufhin, dass man es erst probieren müsste, um es schaffen zu können. Diese Lektion habe sie von Lee Harvey Oswald gelernt.

Wie viel "Afterparty" am Ende spielmechanisch mit "Oxenfree" verbindet, bleibt abzuwarten. Die Stimmung ist jedoch stark, die nun komplett im 3D-Stil gehaltene Grafik sehr hübsch und die englischen Dialoge sowohl stilistisch als auch akustisch dem Anschein nach über jeden Zweifel erhaben. Auf dieses Spiel dürfen sich jedenfalls nicht nur Fans klassischer Adventures freuen – und in diesem Fall steht es nicht zufällig auf Platz 1 dieser Highlight-Liste.

Geeignet für: Adventure-Freund mit Hang zu rabiat-morbidem Humor
Alternativen: Manual Samuel, Randal's Monday, The Walking Dead: The Final Season

Kommentare