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Die GAMES.CH Kolumne #06-2019: Games Never Made #1

Diese Games sind nie erschienen aber hätten die Welt der Videospiele verändern können

Kolumne Video Michael

Es gibt Hunderte von Videospielen, die nie das Tageslicht erblickten. Denn zahlreiche Games werden von Entwicklern zwar begonnen aber nie fertiggestellt. Von vielen davon werden wir nie etwas erfahren. Andere wurden Legenden und Mythen. Und einige hätten die Welt der Videospiele nachhaltig prägen können, wenn sie es auf unsere Rechner und in unsere Konsolen geschafft hätten.

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Es gibt sie, diese Momente, die alles zu verändern scheinen. Diese Ereignisse, die einen Aspekt unsere Lebens, unser Handeln, unsere Vorstellungen umkrempeln. Das kann die erste Liebe sein, der erste Faustschlag ins Gesicht, der erste Tag im Job oder auch einfach das erste Videospiel, das wir spielen. Ebenso gab und gibt es auch Videospiele, die die Welt der Games umkrempeln, aufrütteln und nach denen irgendwie einiges oder sogar einfach alles anders ist. Ganz einfach weil sie eine Sache das erste Mal machen, die Konventionen umdrehen oder schlichtweg so gut und kreativ sind, dass sie die Spieler und andere Entwickler nicht mehr loslassen. Das waren bisher Videospiele wie „Pong“, „Tetris“, „Super Mario Bros“, „Final Fantasy VII“, „Grand Theft Auto 3“, „Doom“, „Metal Gear Solid“, „Skyrim“, „Diablo“ und einige mehr.

Allerdings existieren auch zahlreiche Games, die sich in diesen edlen Reigen hätten einfügen können – aber die letztlich doch nicht die Chance dazu bekamen. Nämlich Videospiele, die teils über Jahre in der Entwicklung waren, grandiose Ideen und Konzepte mitbringen sollten, von Spielern heiss erwartet wurden aber dann nie in die Läden kamen. Die Gründe dafür? Die sind so vielfältig wie die Genres, die wir kennen. Oft ging den Entwicklern die Puste oder das Geld aus, manchmal entschieden Manager, dass das Projekt nicht mehr lohnt oder die Macher verrannten sich und gaben letztlich einfach auf. Natürlich ist es schwer, zu sagen, ob und wie sich diese Games letztlich gespielt hätten. Aber von einigen lässt sich dennoch mit ziemlicher Sicherheit sagen, dass sie auf die ein oder andere Weise besonders gewesen wären.

Hier ist daher Teil 1 der vielleicht wichtigsten und interessantesten Games, die es nie gab.

Loose Cannon

Es hätte gigantisch werden können. Im Jahre 1998 kündigte Digital Anvil, das vom „Wing Commander“- und „Star Citizen“-Macher Chris Roberts gründete „Freelancer“-Studio, ein Projekt namens „Loose Cannon“ an. In ihm sollte der Spieler als Ashe, ein draufgängerischer Söldner, im Auftrag der überforderten Polizei in den USA fiese Gangster und mächtige Verbrecherbosse hochnehmen. Denn die sollten 2016, so dachten sich die Entwickler, weite Teile der USA fest in ihren Händen halten. Neun Städte wie San Francisco, Los Angeles, New York, Chicago und Los Angeles sollten aufgeräumt werden.

[https://www.youtube.com/watch?v=cOLdp4fsSak]

Wie in „Grand Theft Auto“ sollte das gehen: Aus Third-Person-Sicht sollte der Spieler Ashe in Gefechte führen und in aufrüstbaren Polizeifahrzeugen oder „konfiszierten“ Zivilkarren weithin offene Areale mit Stadt- und Hinterlandkulissen erkunden. Klingt nicht so spektakulär? Heute nicht mehr, nein. Aber: „Loose Cannon“ hätte ursprünglich Ende 2000 und nach einer Verschiebung bis Mitte 2001 erscheinen sollen. Also noch vor „Grand Theft Auto 3“, welches das Baller-Autoklau-Spielprinzip von der zweiten in die dritte Dimension hob. Damit hätte nicht Rockstar Games, sondern vielleicht Digital Anvil ein neues Kapitel in der Videospielhistorie aufstossen können.

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Warum nichts daraus wurde? Tja, Digital Anvil wurde Ende 2000 von Microsoft aufgekauft. Unter der neuen Führung sollte sich das Studio auf das Weltraum-Game „Freelancer“ konzentrieren, dessen Konzept nicht weniger ambitioniert war. Deswegen wurde das „Loose Cannon“-Team dazu gezogen. Damit lag der 3D-Action-Titel erstmal auf Eis und der Erscheinungstermin rückte weit ins Jahr 2002. Als „Freelancer“ zu dieser Zeit immer noch nicht fertig war, wurde „Loose Cannon“ aufgegeben und das Projekt verkauft: Und zwar an Ubisoft. Was dort mit „Loose Cannon“ passierte, das ist bis heute ein Rätsel. Aber angeblich fand sich kein Team, das sich der Herausforderung stellen wollte, das Projekt zu reanimieren.

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