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Honor View 20 - Test / Review

Bleibt (fast) alles anders

Hardware: Test Video Steffen Haubner Roger Sieber

Wenn Honor-CEO George Zhao über neue Modelle spricht, dann hat er stets einen Gegner im Visier: das jeweils aktuelle Flaggschiff von Apple. So zog er bei der Präsentation des View 20 Ende Januar in Paris immer wieder Vergleiche zum iPhone XS Max. Das liegt schon von der Displaygrösse her nahe, ist das View 20 mit seinen 6,4 Zoll (157 mm x 75 mm x 9 mm) doch nur um 0,1 Zoll kleiner dimensioniert als das Apple-Gerät. Die Tatsache, dass Honor statt auf OLED weiterhin auf LED setzt, zeigt aber gleich wieder die Grenzen solcher Vergleiche auf. Zhao hatte aber auch etwas ganz anderes im Sinn. Bereits mit dem Honor 10 sagte der offenbar rund um die Uhr vor Enthusiasmus sprühende Chinese der Notch den Kampf an, jener kleinen Aussparung in der bei vielen aktuellen Smartphones Komponenten wie Kamera und diverse weitere Sensoren untergebracht sind, die heute zur Grundausstattung jedes besseren Smartphones gehören. Beim View 20 ist die Notch nun ganz verschwunden. Stattdessen wurde die 25-MP-Frontkamera in ein Loch mit 4,5 mm Durchmesser versenkt, Lichtsensor und Hörmuschel wandern in den schmalen Spalt zwischen Display und Alurahmen. Durch diesen gewagten Schritt ergibt sich ein Verhältnis von 91,8 % von Display zu Gehäuse. Videos können damit für Cineasten standesgemäss im 19,5:9-Format und mit einer Auflösung von 2310 x 1080 Pixel angezeigt werden.

„All-View Display“ nennt Honor seine Innovation, und man darf davon ausgehen, dass wir dieses Display-Design 2019 noch an vielen anderen Modellen, auch von anderen Herstellern sehen werden. Die Selfie-Kamera wurde, auf den ersten Blick vielleicht etwas überraschend, in der linken oberen Ecke platziert. Tatsächlich kann man aber frontal aufs Gerät schauen und wird fürs Selbstporträt trotzdem mittig positioniert, während die Linse an dem von den Technikern gewählten Ort so gut wie gar nicht auffällt. Besonders beim Betrachten und Ausziehen der Statusleiste erweist sich die verschwundene Notch als echter Fortschritt im Dienste der Alltagstauglichkeit. Die Farben kommen ab Werk etwas knallig rüber, können aber über das in den „Einstellungen“ zu findende Menü „Farbmodus und -temperatur“ individuell angepasst werden.

It’s the camera, stupid!

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So richtig drehen die Honor-Modelle traditionell bei den Foto- und Video-Features auf. Das beginnt beim View 20 schon bei der Hardware: Satte 48 Megapixel sind derzeit branchenweite Spitze, hinzu kommen ein 3D- und ein Tiefen-Sensor. Verbaut wurde ein IMX586-Sensor von Sony, die 3D-Kamera misst per Infrarot den Abstand zwischen Smartphone und Objekt. Durch die extreme Auflösung ist es ausserdem möglich, im Nachgang problemlos in das Bild hinein zu zoomen. Das machte sich ein breit grinsender George Zhao bei seiner Keynote in London mehrfach zunutze, indem er aus auf die Leinwand projizierte Motive herauszoomen liess, wodurch sie sich im Nachhinein als extrem detailreiche Panoramaaufnahmen entpuppten. Schon cool.

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Das spätere Freistellen von Motiven wird durch die ambitionierte Sensor-Technik ebenfalls enorm erleichtert. Was man mit alldem noch so anfangen kann, lässt sich an den vielfältigen Optionen der Foto-App ablesen. Hier wimmelt es nur so von AI-Funktionen wie dem „Ultra Clarity Modus“ oder der Möglichkeit, den Verschönerungsgrad bei Porträtfotos stufenlos anzupassen. So mancher solcherart Porträtierte wird beim nächsten Blick auf sein unbearbeitetes Spiegelbild vermutlich etwas zusammenzucken. In einem speziellen Nachtmodus werden mehrere ultraschnell hintereinander geschossene Aufnahmen zu einem Bild verrechnet, was auch bei spärlicher Beleuchtung sehr detaillierte Fotos ermöglicht.

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