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Kinect

Kinect – Controllerlos glücklich?

Test Alain Jollat getestet auf Xbox 360

Was waren wir nicht alle neidisch auf Tom Cruise, als er in «Minority Report» seinen futuristischen Bildschirm mit reiner Handbewegung gesteuert hatte. Die Daten schwirren nur so über das Display und der Neid mit jeder Minute grösser. Nun hat Microsoft mich und alle meine Mit-Neider erhört und schenkt uns die controllerlose Glückseligkeit in Form des neuen Kinect-Sensors. Wird nun Tom Cruise neidisch auf mich sein? Denn ich durfte das Redmond’sche Wunderding für euch genauer unter die Lupe nehmen.

Was war der Aufschrei gross in der Xbox-Gemeinde, als bekannt wurde, dass Microsoft nun auch die Casual-Gamer bedienen wolle. Man sah das Core-Gamer-Armageddon  eintreten, das ultimative Dahinscheiden von Master Chief, Marcus und militärischen Elitetruppen auf der heimischen Dreisechzig. Und nun – mehrere Monate und einen Namenswechsel später – ist er hier, der Kinect-Sensor, die Revolution des Spielens. Oder zumindest die vermeidliche Revolution. Denn leider wird die knapp 200 CHF teure Hardware nicht alle Spieler zu gleichen Stücken die Freudentränen in die strahlenden Augen treiben, wenn sie das erste Mal winkend vor ihrer Xbox stehen.

Wer spielen will, muss freundlich sein   

An den neuern Xbox-360-Versionen kann Kinect einfach eingestöpselt werden. Bei älteren benötigt der Sensor einen weiteren Stromanschluss und der Kabelsalat muss entsprechend geschickter versteckt werden. Nach kurzer Initialkonfiguration startet die Konsole wie gewohnt im NXE-Menü. Um den Kinect-Hub zu aktivieren und mit simpler Handbewegung durch die Oberfläche zu browsen, muss man zuerst freundlich winken.

Damit wir alleine an unserer Präsenz erkannt werden, müssen wir uns zuerst mit Kinect bekannt machen. Mangels Hänge am Sensor geschieht dies nicht mittels feuchten Händedrucks, sondern mittels «Kinect-ID». Um eine solche ID zu erstellen, muss ein ca. einminütiges Konfigurationsprozedere durchgespielt werden. Es besteht daraus, vom einen Fleck auf den anderen zu gehen und dabei die Hände in die angegebene Position zu strecken. Und wer sich jetzt schon etwas unwohl fühlt, dem kann nur gesagt werden: Das ist erst der Anfang!

Ist die ID erstellt, funktioniert die Erkennung sehr gut. Und sobald einen Kinect erkannt hat, wird auch eine entsprechende Meldung ausgegeben: «Jarekk82 wurde erkannt». Ob es nun an meinem kindlichen Gemüt liegt, oder einfach daran, dass auf dieselbe Art auch erreichte Achievements angezeigt werden, weiss ich nicht. Die Meldung macht jedenfalls Laune.

Was ist es denn nun? Visch oder Fogel?

Ist Kinect konfiguriert? Check. Und erkennt uns Kinect auch an unserer Statur und unserer Visage? Check. Dann bleibt nur noch folgende Gretchenfragen: Wie spielt es sich denn? Macht es Spass? Wie präzise überträgt der Sensor unsere Bewegungen ins Spiel? Und wie schnell?

Verglichen mit Tom Cruise‘ futuristischer Hardware schwächelt Kinect, wenn es um die schnelle Übertragung von Körperbewegung ins Spiel geht. Besonders bei einigen rasanten Spielen in «Kinect Adventures» hat man das Gefühl, den Ball nur verpasst zu haben, weil die eigene Spielfigur zu langsam ist. Bei anderen Minispielen des gleichen Spiels fällt diese Latenz hingegen nicht auf. Vielleicht liegt es daran, dass das Spielgeschehen einen Ticken weniger schnell oder die Toleranz des Spiels etwas grösser ist. Es ist schwierig zu sagen, ob es wirklich an der Hardware liegt, oder ob beim Programmieren noch etwas Optimierungspotential gibt.

Mit einer Präzision, wie sie von Playstations Move-Controller oder der Wiimote mit Motion-Plus-Zusatz erreicht wird, kann Microsofts Wunderding leider nicht auftrumpfen. Aber im Gegensatz zum 2003 erschienenen EyeToy – einer ebenfalls controllerlosen Bewegungssteuerung - ist Kinect wesentlich unkomplizierter, was die Ansprüche an die Umgebungsbelichtung und die Farbe des Hintergrunds anbelangt. Nur mit direkter Sonneneinstrahlung bekundet er gelegentlich Mühe. Absolut unbeeindruckt zeigte er sich hingegen mit Personen, die sich hinter dem oder den Spielern aufhielten oder durchliefen. Auch erkennt Kinect die Distanz zwischen Spieler und Kamera: Bewegt man sich nach hinten oder vorne, so wird das im Spiel entsprechend registriert.

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