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Die GAMES.CH Kolumne #06-2017

Die Sache mit der Exklusivität

Artikel Video Michael

Nein, kein Schwamm drüber

Microsoft hat mit seiner äusserst flexiblen Auslegung von Exklusivität für einiges an Verwirrung gesorgt. Das ist sicher. Mehrmals musste Xbox-Manager Phil Spencer erklären, was nun „console launch exclusive“ bedeute – nämlich „zeit-exklusiv für die Konsole“, nur, dass das entsprechende Game vielleicht schon vorher auf PC oder einer anderen Plattform war, die keine Konsole ist. Wie eben „Battlegrounds“ und „Black Desert“. Also… was soll das? Na, Marketing … und etwas Verzweiflung. Denn auch, wenn der Einfluss von Exklusiv-Titeln vielleicht überschätzt wird, verleihen sie einer Plattform doch Prestige; machen sie attraktiv, begehrt und locken Spieler. Jedoch fehlt es Microsoft im Vergleich mit Sony und gar Nintendo derzeit an bald erscheinenden echten Exklusiv-Titeln. Ja, „Forza Motorsport 7“, „Sea of Thieves“ und „Crackdown 3“ kommen. Das ist okay aber nichts, was für Aufsehen im Stile eines „Super Mario Odssey“ oder „Last of Us 2“ sorgt. Sonst? Das neue „Halo“ lässt auf sich warten. Zu einem neuen „Gears of War“ gibt’s bislang keine Infos. „Fable Legends“, „Saclebound“ sind tot und das „Phantom Dust“-Reboot liegt auf Eis, nachdem das Entwicklerstudio in die Pleite ging. Im Vorlauf des Starts der Xbox One X ist das erschreckend dürr und wenig vorteilhaft.

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Die schwammige „console launch exclusive“-Konstruktion ist eine Nebelkerze und ein Taschenspielertrick, um von der derzeitigen Leere des Xbox-Portfolios abzulenken. Es fehlt an einzigartigen Games! Aber: Wenn nur oft genug das Wort „exklusiv“ fällt, wird das schon ein Grund sein, um in eine Xbox One X zu investieren – die ja durchaus eine grandiose Konsole darstellt –, oder? Microsofts Taktik könnte bei weniger informierten Käufern aber auch einigen Gamern durchaus aufgehen. Zumindest kurzfristig. Aber langfristig schadet die Verwässerung und der inflationäre Gebrauch des einst so feststehenden Begriffs. Auch Microsoft selbst. Damit wird schliesslich die Sicherheit und Nachvollziehbarkeit aufgelöst, die mit dem Exklusiv-Label verbunden war. Und damit das Vertrauen jener Spieler, die die Basis der Videospielindustrie darstellen. Es könnte viele davon abhalten, sich eine Konsole für einen vermeintlichen Exklusiv-Titel zu holen. Denn können wir wirklich noch darauf vertrauen, dass dieses Game dann nach einiger Zeit nicht doch für die Konsole kommt, die wir schon rumstehen haben? Vielleicht warten wir einfach ab? Genau dieses Misstrauen könnte böse enden. Exklusiv sollte exklusiv bedeuten! Nicht mehr, nicht weniger. Alles andere ist Unfug und Irreführung.

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