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Die GAMES.CH Kolumne #11-2017

Warum der brutale Trailer zu The Last Of Us Part 2 einfach Mist ist!

Artikel Video Michael

Mit „The Last Of Us“ hat Naughty Dog einen Meilenstein der Videospielgeschichte geschaffen. Doch der letzte Trailer für den Nachfolger bereitet mir ernsthafte Sorgen. Denn der hatte wenig mehr zu bieten als brutale Gewalt. Wobei nicht die Gewalt selbst das Problem ist, sondern deren Sinnlosigkeit.

Screenshot

Ich weiss nicht so recht. Gerade eben habe ich mir zum wiederholten Male den Trailer für „The Last Of Us Part 2“ von der Paris Games Week angeschaut. Der ist wahnsinnig beeindruckend. Sowohl in visueller als auch akustischer Hinsicht beweist das Studio Naughty Dog hier mal wieder, dass es zu Recht als einer der Top-Entwickler der gesamten Videospielindustrie gefeiert wird. Alleine die Darstellung von Haaren, Haut, Muskeln, Augen und durchnässten Klamotten ist wegweisend. Was ein Anblick! Aber vor allem ist es die Inszenierung, die mich so packt und bis jetzt fest umklammert hält. Wobei sie mich emotional gemischt zurück lässt. Denn der Trailer zeichnet ohne Zweifel eine faszinierende Welt jenseits des Untergangs. Eine Welt, die weniger vom Sturz der Zivilisation an sich als vielmehr durch den Verfall von moralischen und ethischen Werten gezeichnet scheint. Um diese zu porträtieren setzen die Entwickler hier jedoch alleinig auf eine Orgie aus Unmenschlichkeit und Brutalität.

Zum Beginn des fünfminütigen Trailers wird eine gefesselte Frau von zwei Menschen in Mänteln durch den strömenden Regen gezerrt. Sie wuchten sie zu Boden. Körper baumeln an Seilen von dicken Ästen. Auch die Gefangene bekommt einen Strick um den Hals gelegt – wird hochgezogen. Sie wehrt sich verzweifelt und bekommt eine eine Mülltonne unter ihre Füsse gestellt, auf der sie sich nur schwerlich halten kann. Eine Frau im Regenmantel bohrt ihr die Spitze eines Messer in die Haut ihres Bauches. Dann zerren zwei Männer ein Mädchen heran. Sie zerschlagen ihr mit einem Hammer den Ellbogen des linken Arms. Ganz ohne Reue oder Zögern. Das schmerzt regelrecht beim Zuschauen – und ich habe eigentlich ein dickes Fell! Dann geht alles ganz schnell. Pfeile pfeifen aus dem Nichts heran und durchbohren die beiden Männer. Das Mädchen wird gerettet. Die Frau mit Mantel bekommt eine Axt in den Schädel getrieben. Man sieht regelrecht, wie ihr Gehirn die Arbeit einstellt. Das ist wahrlich harte und extreme Gewalt – ohne jegliche Form der Überzeichnung, Satire oder Ironie. Vor allem aber fehlt jeglicher Kontext. Es gibt keine Erklärung oder Auflösung dieser surrealen Eskalation. Das macht den Trailer zum puren Gewaltfetischismus.

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