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Die GAMES.CH Kolumne #05-2019 - A Plague Tale

A Plague Tale zeigt, wie kraftvoll die kleinen Dinge sind

Kolumne Video Michael

Das Action- und Stealth-Abenteuer „A Plague Tale: Innocence“ ist nicht perfekt. Aber ihm gelingt etwas, an dem viele andere Games scheitern. Es erschafft kleine Momente, die ihren digitalen Helden echtes Leben einhauchen.

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Es gibt sie, diese Videospiele, bei denen du plötzlich innehältst, stehen bleibst und für einige intensive Sekunden ungläubig auf den Bildschirm oder den Fernseher starrst. Danach greifst du wieder zum Controller, schaust dich um aber kannst immer noch nicht so recht bereifen, was da gerade passiert. Nicht weil das, was da zu sehen wäre, unbedingt ein grafisches Wunderwerk ist. Nein, sondern weil dich hier ein Moment packt, den du nicht erwartet hast; eine Szene oder Situation, die das Spiel definiert und sich in dadurch in deinem Kopf einbrennt. Das sind meist keine Szenen voller Action und Explosionen, sondern oft ganz ruhige, elegische aber dennoch überwältigende Augenblicke. „Shadow of the Colossus“, „Journey“, „Firewatch“, „Heavy Rain“ und „Inside“ haben diese Momente. Und auch ein kleines aber aufwendig produziertes Abenteuer namens „A Plague Tale: Innocence“, das in unserem Test bereits gut abgeschnitten hat.

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Das Game des französischen Studios Asobo ist im 14. Jahrhundert angesiedelt. Die junge Edeldame Amicia muss mit ihrem kleinen Bruder Hugo vor finsteren Inquisitoren flüchten, die schon ihre Eltern hingerichtet haben. Während das Geschwisterpaar durch die Lande hetzt, wüten der hundertjährige Krieg und die Schwarze Pest. Ganze Dörfer und Städte werden um sie herum leergefegt. Immer wieder werden sie von Häschern der Inquisition erkannt – und müssen weiter. Dabei entfaltet sich eine tiefe und innige Beziehung zwischen Amicia und Hugo, die anfangs von einander entfremdet sind. Furcht, Leid und Schmerz und das Überwinden dieser Hindernisse schweissen sie zusammen, was in eben jenen starken Momenten gipfelt. Nämlich wenn beide das erste Mal einem wahren Meer von Ratten gegenüberstehen. Wenn sie durch ein Feld von Leichen waten müssen oder mit ansehen, zu welchen Grausamkeiten die Menschen in dieser Zeit fähig sind.

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