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Die GAMES.CH-Kolumne #07-2019 - Horror!

Wir brauchen mehr absurden Horror

Kolumne Video Michael

Lovecraft, aber diesmal richtig

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Auch der Autor Howard Phillips Lovecraft könnte den Videospielen noch viel geben. Klar, es gibt zahlreiche Games, die sein Werk aufgreifen, zuletzt "Call of Cthulhu" und "Sinking City". Aber keines hat es bisher geschafft, die Essenz seines Werkes einzufangen, nämlich die Präsenz eines kosmischen Horrors, der über Fischmenschen hinausgeht und stattdessen mit unvorstellbaren und unbeschreiblichen Kräften konfrontiert, gegen die der Mensch wie eine Ameise in einer wimmelnden Grossstadt erscheint. Das gilt aber nicht nur für Lovecraft, sondern auch für einige seiner Zeitgenossen wie Arthur Machen und Robert W. Chambers, die ähnlich wegweisende und stilistisch wie inhaltlich faszinierende Horrorszenarien erschufen, die trotz ihres Alters alles andere als gewöhnlich sind. Darunter: "Die weissen Gestalten" von Machen oder die Chambers-Kurzgeschichtensammlung "Der König in Gelb".

Aber natürlich ist es nicht so, dass sich in der Welt der Videospiele gar nichts tun würde. Zumindest in kleinen und leider von der Mehrheit wenig beachteten Indie-Games lassen sich inspirierende Ansätze für einen interessanteren und unkonventionellen Horror finden. Ein Beispiel ist "Doki Literature Club!" aus dem Jahr 2017, das wie eine dieser schrägen Japan-Dating-Simulationen mit hübschen Anime-Mädchen beginnt, sich dann aber auf surreale Weise in eine angsteinflössende Meta-Erfahrung aufspaltet, die über das eigentliche Spiel hinausgeht. Noch bizarrer ist "Ok/Normal", das in der Optik eines PlayStation-1-Games daherkommt. Es geht darum, eine schwebende Statue durch Räume im LSD-Look zu steuern. Was albern klingt, transformiert sich aber schnell zu einer Spielerfahrung, die einem Fiebertraum gleicht. "Ok/Normal" ist kein Horror, sondern schon mehr: ein irrealer Trip, der in eine abstrus entkörperte Welt aus Klängen und Grafiken zieht, die schwer beschreibbare Emotionen auslöst.

Also, liebe Horrorspielemacher: Traut euch, anders zu sein. Orientiert euch nicht nur an Mainstream-Horrorfilmen wie aus dem "Conjuring"-Universum, sondern sucht neue Ideen und erschafft ungekannte Angstmacher!

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