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Die GAMES.CH Kolumne #03-2018

Warum wir den Kampf um die Lootboxen gewinnen könnten

Kolumne Video Michael

Der Sturm aus Entrüstung und Wut über Lootboxen, den wir Ende 2017 erlebten, scheint mittlerweile abgeflacht. Aber das bedeutet nicht, dass sich nichts tut. Denn es könnte den Beutekisten bald an den Kragen gehen.

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Ich weiss, geht es mir genauso wie euch. Auch mich nervt das Thema Lootboxen allmählich. Nicht so sehr, weil stetig immer wieder darüber berichtet wird oder jeder seine eigene Meinung dazu kundtun muss. Nein, das ist sogar richtig und wichtig. Vielmehr zehrt es an mir, dass sich seit dem lautstarken Aufschrei gegen das Progessionssystem und die Lootboxen in „Battlefront 2“ und „Schatten des Krieges“ so wenig handfestes getan hat. Natürlich sind die Echt-Geld-Käufe in „Battlefront 2“ immer noch abgeschaltet und das „Star Wars“-Game hat sich schlechter verkauft als von Electronic Arts erhofft. Aber sonst? Merklich geändert hat sich in den vergangenen Monaten kaum etwas. Eher das Gegenteil scheint fast der Fall: Mittlerweile erwägt Electronic Arts eine Rückkehr der Lootboxen. Das gehypte „PlayerUnknown's Battlegrounds“ hat bezahlte Beutekisten eingeführt, die teils mit einer einer aberwitzigen Chance von nur 0,01 Prozent die wirklich begehrten Klamotten ausspucken. Und Ubisoft erklärte in seinem Quartalsbericht verklausuliert, dass die Spieler sich einfach mal klar machen sollten, dass ja keiner gezwungen wird, Lootboxen zu kaufen. Düster, oder? Nun, nicht ganz. Denn auch wenn sich die Aufregung abgeflacht hat und Publisher ihr Vertrauen zurückgewinnen, so brodelt es doch im Hintergrund – ganz gehörig sogar.

Recht und Gesetz

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In Deutschland hat die Universität Hamburg eine Studie durchgeführt, die die Gefahren von Lootboxen untersuchen sollte. Bislang wurde die noch nicht veröffentlicht aber das Vorabergebnis scheint ziemlich eindeutig – und bestätigt die Kritiker: Publisher und Studios machen sich die perfiden Mechaniken und psychologischen Tricksereien der Glücksspielindustrie zunutze, um Gamer zum Kauf von Lootboxen und Microtransactions im Generellen „zu verführen“. Dabei würde spezifisch auf sogenannte „Whales“ gezielt – das sind Spieler, die, selbst wenn sie es nicht leisten können, extrem häufig und besonders viel Geld investieren. Die Jugendschutz-Kommission der deutschen Landesmedienanstalten will daher bis März entscheiden, wie ein angemessener Umgang mit diesen Glücksspiel-im-Spiel-Systemen ausschauen könnte. Die Tendenz? Lootboxen und vergleichbare Mechaniken könnten pauschal verboten werden. Nicht zuletzt da sie auch gegen das Verbot von Kaufappellen an Kinder und Jugendliche zu verstossen scheinen. Belgische Behörden sehen das ganz ähnlich. Sie möchten Glücksspielmechaniken in Videospielen untersagen.

Selbst in den USA regt sich Widerstand gegen die Kisten. Mehrere Senatoren der demokratischen Partei haben einen Gesetzentwurf eingereicht, der eine Untersuchung von Lootboxen und deren Wirkung forcieren soll. In Hawaii wurden sogar schon Gesetze eingereicht, die eine Kennzeichnung von Games „mit zufälligen In-Spiel-Belohnungen gegen Echtgeldzahlungen“ und die Offenlegung von Gewinnchancen fordern. Deren Verkauf an Personen unter 21 Jahren soll dazu untersagt werden. In Schweden steht zudem gerade eine Reform des Glücksspielmarktes an – und die Regierung sieht das „Phänomen Lootbox“ als möglichen Teil davon. Auch in der Schweiz gäbe es eigentlich rechtliche Grundlagen, um sich dem System zu nähern – zumindest wenn Lootboxen als Glücksspiel gewertet werden. Onlineglücksspiel von hiesigen Anbietern ist in der Schweiz illegal. Ebenso ist auch das Bewerben von Onlineglücksspiel-Angeboten aus dem Ausland gesetzlich untersagt – und das wären Lootboxen in „Battlefront 2“ und anderen Games wohl. Würden diese Regelungen auf die Games angewendet, dann könnte ihnen ein Werbeverbot drohen – und sogar ein Verkaufsverbot wäre denkbar. Aber bisher herrscht da noch Zurückhaltung.

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