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Left 4 Dead 2

Schnetzelspass mit Tiefgang

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Wenn "Half Life"-Entwickler Valve ein neues Spiel ankündigt, knallen bei den entzückten Fans üblicherweise die Korken. Anders bei der "Left 4 Dead"-Gemeinde. Noch kein Jahr alt, hatte diese auf den im vergangenen Sommer bei der E3-Messe angekündigten Nachfolger absolut keinen Bock: Eine mögliche Aufspaltung der Community und ein Ausbleiben des versprochenen (Gratis)-Supports für den ersten Teil wurden befürchtet. Valve liess sich davon nicht beirren und stellt "Left 4 Dead 2" pünktlich zum "angedrohten" Termin (19. November) in die Regale. Die Auswirkungen auf die Szene werden sich in einigen Monaten zeigen.

Eine Prognose sei aber bereits gestattet: "Left 4 Dead 2" wird dem Vorgänger über kurz oder lang, genau gleich wie die Spieler den darin vorkommenden Zombies, den Garaus machen. Nicht weil Valve das möchte, aber weil der Nachfolger einfach besser ist. Der Teufel steckt allerdings im Detail beziehungsweise offenbart er sich erst nach einigen Stunden Spielzeit. Denn zunächst sind die Unterschiede zum Original gering. So schnetzelt man sich wie gewohnt in einem aus letzten Überlebenden bestehenden Quartett durch eine Trilliarde Zombies. Ziel ist stets der nächste Sicherheitsraum, in dem durchgeatmet und nachgeladen werden darf. Womit die lebenden Toten nun eigentlich infiziert sind, wird übrigens erneut nicht klar. Hoffen wir einfach, dass es nicht die Auswirkungen der Schweinegrippe-Impfung sind.

In allen Bereichen aufgemotzt

Seis drum: Valve hat sich darum bemüht, den eher kargen Umfang des ersten Teils aufzupeppen. Mit Spitter, Charger und Jockey gibt’s neue Superzombies, das Waffenarsenal wurde deutlich erweitert. Wobei der Nahkampf dank diverser abgedrehter Schlächter-Utensilien deutlich an Gewicht und Witz (Stichwort: Gartenzwerg) gewonnen hat. Und wie man im ersten Teil ohne den Defibrillator überleben konnte ist jetzt, wo er da ist, ein Mysterium. Die  insgesamt fünf liebevoll in Szene gesetzten "Filme" mit je fünf Leveln, welche den Kampf von Nick, Coach, Rochelle und Ellis zeigen, bieten genügend und abwechslungsreichen Tummelplatz für die fröhliche Zombie-Hatz.

Abseits dieser offensichtlichen Neuerungen hat Valve aber auch die Spielmechanik selber verfeinert. Und zwar matchentscheidend, denn der sogenannte "AI Director 2.0" lässt die Zombiewellen deutlich cleverer auf die, gerade in höheren Schwierigkeitsgraden zum bedingungslosen Teamplay verdammten, Spieler los. Einige kleinere Zwischenaufgaben (Alarme ausschalten etc.) sowie das teilweise zufällige Generieren verschiedener Level-Abschnitte macht das Gameplay zudem auch für eingespielte Gruppen dynamischer und unvorhersehbarer.

Auch "Left 4 Dead 2" – zur Verfügung stand die subjektiv nicht störend geschnittene deutsche Xbox-360-Version – ist selbstverständlich kein intellektueller Höhenflug. Im Mittelpunkt steht unkomplizierter, völlig abgedreht dargestellter Splatter-Spass. Trotzdem entwickelt die Zombie-Fiesta erstaunlichen Tiefgang. Grund ist das zwingend erforderliche Teamwork. Kommt es zu kurz, sieht man als Spieler schnell einmal so alt aus wie die von Valve verwendete "Source"-Engine.

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