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RTX & Raytracing-Spezial - Exklusiv-Interview

Im Gespräch mit zwei Hardware-Profis von ASUS

Interview Video Sönke Siemens

PCs und Gaming-Notebooks mit RTX-Grafikkarten sind voll im Kommen. Denn RTX-Grafikkarten bringen nicht nur deutlich mehr Leistung, sondern ermöglichen auch sogenanntes Raytracing. Doch was ist Raytracing überhaupt? Wann werden kompatible Grafikkarten günstiger? Und für wen lohnt sich das Ganze? All das und mehr diskutieren wir im Interview mit Miguel Schneeberger und Nyima Habich von ASUS Schweiz.

Was sind die grössten Vorteile von Raytracing verglichen mit vorherigen Grafik-Technologien?

Miguel Schneeberger: Für die Antwort auf diese Frage muss ich ein bisschen ausholen. Wenn wir uns zurück erinnern, gab es bei den ersten Spielen mit rudimentärer 3D-Grafik – etwa „Wolfenstein 3D“ – noch gar keine Licht- und Schatteneffekte. In der nächsten Instanz wurden die Levels vorberechnet für Licht und Schatten. Ein schönes Beispiel hierfür sind die Lightmaps in „Doom“. Danach folgten Spiele, die Transport & Lightning unterstützten, sprich einzelne Lichtquelle, farbiges Licht etc. darstellen konnten. Dennoch waren wir bis vor Kurzem weit weg von realistischen Lichteffekten. Es ging immer darum, etwas extrem Komplexes (Lichtberechnungen) durch Tricks vorzutäuschen. Mit Raytracing-Grafikkarten hingegen werden eben diese Lichtberechnungen tatsächlich durchgeführt.

Zugegeben, schon früher in den 90er Jahren gab es die sogenannten Cray-Super-Computer und die haben solche Effekte berechnet. Aber sie waren unglaublich teuer und die dafür benötigte Leistung unfassbar gross. Doch jetzt, mit den neuen RTX-Grafikkarten, ist Raytracing zuhause möglich.

Wenn man es ganz wissenschaftlich ansieht, dann ist es allerdings nicht absolut korrektes Raytracing, sondern eine sehr gute Annäherung. Denn eigentlich wird beim Raytracing für jeden Pixel berechnet, woher das Licht für diesen einzelnen Pixel stammt. Der Lichtstrahl wird also sozusagen rückwärts durch alle möglichen Ebenen bis zur Lichtquelle zurückverfolgt.

Beim Nvidia Raytracing wird dieser Prozess ein bisschen vereinfacht. Das Licht wird also nicht durch tausend Spiegel zurückberechnet, sondern nur ein stückweit. Aber es ist eine sehr gute Annäherung. Und das bringt klare Vorteile: realistisches Licht, realistische Reflexionen, Schattenspiele, die richtig sind, indirektes Licht, das plötzlich einen Einfluss hat.

Wenn man zum Beispiel in einem Spiel in einen dunklen Raum kommt und die Tür aufmacht, dann wird das Restlicht, das in den Raum eindringt, dank Raytracing endlich richtig dargestellt. All dies macht bei kompatiblen Spielen optisch sehr viel aus.

Wichtig: diese Dinge sind bis jetzt Nvidia-spezifisch. Viele Experten gehen jedoch davon aus, dass früher oder später ein Standard für vereinfachtes Raytracing kommt. Davon könnten dann alle profitieren. Wann das sein wird, steht allerdings noch in den Sternen.

Bei sogenannte Nvidia Turing-Karten gibt es zudem noch eine spannende Zusatzfunktion. Sie nennt sich DLSS. Dadurch wird über KI-Algorithmen die Kantenglättung verbessert. Das steht zwar nicht direkt mit dem Thema Raytracing in Verbindung, ist aber ein weiterer Technologiesprung der 20er-Serie.

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