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This War of Mine: The Little Ones - Special

Schämt euch nicht für eure Tränen

Artikel Video Ulrich Wimmeroth

"This War of Mine" ist ein wirklich einzigartiges Spiel. Ein Spiel das den Krieg nicht als heldenhafte Schlacht von waffenstarrenden Übermenschen darstellt, sondern sich ganz den Opfern der Gewalt widmet. Ein Spiel das die unvorstellbaren Schrecken für die Bevölkerung zeigt und vom Spieler verlangt, sich in die Rolle der hilflosen Menschen zu versetzen. Das Ziel: Überleben, bis der Krieg endlich vorbei ist.

Die Entwickler der polnischen 11 bit studios wählten bewusst den realen Hintergrund der Belagerung von Sarajevo, einem der zentralen Ereignisse des Bosnienkrieges, als Schauplatz der menschlichen Dramen. Das schonungslose Antikriegsspiels begeisterte Kritik und Fans und wurde für die Truppe aus Warschau auch zu einem finanziellen Erfolg. Bereits nach nur zwei Tagen waren die Entwicklungskosten wieder eingespielt.

Mit "This War of Mine: The Little Ones", erscheint die Version für die PlayStation 4 in einer deutlich erweiterten Fassung. Zusätzlich zu dem gesamten Inhalt von "This War of Mine", haben die Entwickler neue Szenarien eingebaut. Und wie der Titel bereits vermuten lässt, spielen jetzt Kinder eine wichtige Rolle in dem virtuellen Überlebenskampf. Der Spieler übernimmt die Führung einer kleinen Gruppe Menschen, die in einem zerbombten Gebäude eine notdürftige Unterkunft bezogen haben. Drei Erwachsene und ein Kind sind es zu Beginn. Vier Menschen die nicht über eine automatische Auffrischung ihrer Kräfte, grosskalibrige Waffen oder unendliche Leben verfügen. Es sind einfach nur Menschen. Mit Ängsten, Bedürfnissen, Stärken und Schwächen.

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Die Aufgabe ist es nun Mikromanagement zu betreiben und aus dem Schutt wichtige Gegenstände zu bergen. Ein Bett oder einen Ofen zu bauen, damit das Essen gekocht werden kann und die Nacht nicht auf dem kalten Boden verbracht werden muss. Tagsüber ist es nicht möglich das schützende Gebäude zu verlassen, denn Scharfschützen warten nur auf eine unbedachte Bewegung. Also muss die Suche nach Nahrungsmitteln und Medizin in der Nacht statt finden, um noch einen weiteren Tag zu überleben.

Aber mit dem Anfertigen von hilfreichen Gegenständen und der Suche nach Nahrung ist es noch lange nicht getan. Der Spieler muss immer genau über die Gefühlslage der Menschen im Bilde sein. Leidet ein Freund an Schlafentzug, an Depressionen oder verlangt eines der Kinder nach Aufmerksamkeit und Schutz? Immerhin sind Kinder immer noch Kinder und benötigen Hilfe und Anleitung von Erwachsenen, um mit der schrecklichen Situation klar zu kommen. Immer wieder wird der Spieler dabei vor schwierige moralische Entscheidungen gestellt.

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Was empfindet ein Kind, wenn ihr den Vater auf eine gefährliche Plünderungsmission in die Stadt schickt, von der er möglicherweise nicht zurück kehrt? Oder was sind die Konsequenzen, wenn ihr einen sexuellen Übergriff beobachtet und euch entscheiden müsst, ob ihr eingreift oder einfach wegseht? Das Spiel kennt keine Gnade und treibt dem Spieler vor Wut oder Mitleid auch schon mal die Tränen in die Augen. Also: Wie weit wirst du gehen, um die Kinder zu beschützen?

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