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Windbound - Test / Review

Reif für die Insel

Test Video Joel Kogler getestet auf Xbox One

Seit "Minecraft" den Grundstein des modernen Survival-Spiels setzte, versuchten sich viele Indie-Entwickler vornehmlich an diesem Genre. "Don't Starve" brachte die Idee eines Rogue-like-Titels ins Spiel, wo der Kampf ums Überleben nach jedem Bildschirmtod aufs Neue beginnt. "The Flame in the Flood" übernahm diese Idee, fokussierte sich aber mehr auf eine ebenfalls teils prozedurale Story. Mit "Windbound" erschuf das australische Entwicklerteam 5 Lives Studios ein Werk, das sich von den oben genannten Spielen inspirieren lässt, aber auch an "The Legend of Zelda: The Wind Waker" erinnert.

Mit dem Wind im Rücken

Ganz nach modernen Spieletrends ist die Geschichte in "Windbound" eher kryptisch. Ihr spielt eine junge Frau, die während eines Unwetters von ihrem Stamm seefahrender Inselbewohner getrennt wurde. Viel mehr Story dürft ihr allerdings von "Windbound" nicht erwarten. Lediglich, wenn ihr bestimmte Regionen betretet oder Ziele erfüllt, werden euch kurze, poetisch anmutende Sätze eingeblendet, die vage die Thematik des Spiels bedienen. Die namenlose Heldin muss sich Unwettern und allerlei Getier entgegenstellen, um ihr verschollenes Volk zu finden. Zwischen den Kapiteln schalten wir ausserdem Wandmalereien frei, die weitere Hinweise auf die Geschehnisse bieten. Trotzdem gilt: Wer eine traditionelle Handlung sucht, ist hier falsch. "Windbound" ist mehr darauf ausgelegt, dass ihr euer Abenteuer durchs Spielen selber schafft.

Erobere die Welt mit Stock und Stein

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"Windbound" beginnt sehr simpel. Ihr strandet auf einer kleinen Insel, auf der es nur Gras und Steine gibt. Es gilt alles einzusammeln, was in eure anfangs sehr limitierten Taschen passt. Schnell merkt ihr, dass ihr aus dem getrockneten Gras auch Seile flechten könnt. Daraus baut ihr kurzerhand euer erstes Kanu. Damit paddelt ihr zur nächsten Insel und findet weitere Ressourcen. Einerseits könnt ihr so weitere Ausrüstung wie etwa Beutel für mehr Platz im Inventar oder neue Waffen herstellen, andererseits euer Boot schrittweise aufrüsten. Mit einem Segel kommt ihr beispielsweise deutlich schneller voran. Ein Korb erlaubt es euch hingegen, stationär weitere Gegenstände zu lagern. Doch Vorsicht: Geht euer Schiff kaputt, verliert ihr auch alle Gegenstände, die ihr darauf gelagert habt. Euer eigentliches Ziel in jedem Kapitel ist es jedoch, drei Türme auf verschiedenen Inseln zu aktivieren sowie für euer Überleben zu sorgen. Hier ist eure grösste Sorge tatsächlich selten euer Boot und viel öfter eure Ausdauer. Wie fürs Genre üblich, knurrt eurem Charakter nämlich regelmässig der Magen. Daher müssen entweder Beeren, Pilze oder erlegtes Getier herangeschafft werden. Wie genau der Hunger im Spiel funktioniert, ist sehr undurchsichtig. Komplett ohne Nahrung verliert ihr nur recht langsam Ausdauer. Es scheint aber so, dass euer Hunger viel schneller zurückkehrt, sobald ihr esst. Auf normalem Schwierigkeitsgrad ist die Hauptfigur so hungrig, dass die Nahrungssuche schnell zum primären und einzigen Ziel des Spiels wird, denn wenn ihr es wagt, auch nur für wenige Minuten etwas anderes zu tun, verhungert ihr bereits.

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Dabei gäbe es in "Windbound" einiges an extravaganter Ausrüstung und Schiffs-Upgrades zu entdecken. Die spannenden Spielelemente sind allerdings oft an Materialien gebunden, die ihr nur von feindlichen Kreaturen erhaltet. Jedes dieser häufig gigantischen Wesen kommt mit einem beeindruckenden Gesundheitsbalken daher und spielt sich eher wie ein kleiner Bosskampf. Das wäre jedenfalls die Idee, wenn man denn die Biester im Nahkampf mit einem Speer angeht. Der Gesundheitsbalken ist aber nicht selten so gross, dass ein Speer allein nicht reicht, da unsere Ausrüstung zumindest zu Beginn sehr schnell das Zeitliche segnet. Viel besser ist es da, die Monster aus der Ferne mit dem Bogen zu bearbeiten - bevorzugt aus sicherer Distanz auf einem der vielen Felsen auf den Inseln. Die Kreaturen können nämlich meist überhaupt nichts ausrichten, wenn ihr sie aus erhöhter Position mit Pfeilen durchsiebt, und rennen einfach stumpf um euren Fels herum.

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"Windbound" ist ein Spiel voller guter Ideen, das aber schnell an seinen Problemen zerbricht. Die Kämpfe sind schwer und langatmig, was dafür sorgt, dass eure Ausrüstung frühzeitig zerstört wird. Ihr könnt euch aber nicht mit mehr Waffen eindecken, weil euer Inventar bereits mit wenigen Grundmaterialien überfüllt ist. Selbst wenn ihr einen Kampf gewinnt, könnt ihr die neuen Materialien des erlegten Tiers nicht einsammeln, weil euer Inventar keinen Platz hat. Während des Kampfes habt ihr ausserdem nichts gegessen. Eure Ausdauer ist also gefährlich niedrig, weshalb ihr besser mal etwas zu essen sucht - aber macht dafür zuvor Platz im Inventar! All diese für sich genommen eher kleineren Mängel arbeiten gegen den Spielspass. Hinzu kommt, dass ihr im Fall eures Todes einen guten Teil eures Fortschritts verliert. Wie viel, hängt dabei vom Schwierigkeitsgrad ab. Auf "Überleben", der empfohlenen Standardstufe, verliert ihr alles, was nicht in eurem Start-Inventar gelagert ist. Ausserdem beginnt ihr das Spiel komplett von vorn bei Kapitel 1. Beim Schwierigkeitsgrad "Story" behaltet ihr alles, was ihr bei euch tragt, und werdet zudem nur an den Beginn des aktuellen Kapitels zurückgesetzt. Ausserdem startet ihr hier mit deutlich mehr Gesundheit und Ausdauer, was die Kämpfe etwas leichter macht. In beiden Fällen könnt ihr nach eurem Tod oder zwischen Kapiteln permanente Boni freischalten - für Muscheln, die ihr in Siedlungen oder durch aktivierte Türme erhaltet. Diese sind offensichtlich darauf ausgelegt, die frustrierenden Aspekte des Spiels auszugleichen, etwa indem ihr Waffen mit unbegrenzter Haltbarkeit bekommt oder die Grösse eures Inventars verdoppelt. Das heisst aber auch leider, dass gut eine oder zwei Stunden Spielzeit vergehen, bis ihr die Möglichkeit habt, den Titel in vollen Zügen zu geniessen.

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