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Ready 2 Rumble Revolution

Atari schlägt sich selbst K.O.

Test Guest getestet auf Black & White: Insel der Kreaturen

Vor nicht allzu langer Zeit offerierte und Midway das gelungene "Ready 2 Rumble" auf der Dreamcast, mit witzigen Charakteren und der berühmten Gesichtsdeformierung. Die Charaktere waren damals einzigartig und machten das Spiel auch dank der coolen Sprüche zum Hit. Nun versucht Atari eine Neuauflage und vergisst dabei den einzigartigen Charme des Vorgängers in den zweiten Teil zu übernehmen. Der Erfolg ist dabei, naja, bescheiden.

Das Rezept, um "Ready 2 Rumble Evolution" zu einem Hit zu machen wäre nicht allzu schwer gewesen. Man hätte nur die coolen Charaktere aus dem Vorgänger nehmen, einige neue Schlagkombinationen und Locations draufpacken müssen und fertig wäre der gelungene Nachfolger. Leider hat man sich für einen anderen Weg  entschieden und spendiert uns eine ganze Reihe von Charakteren, die alle an Prominente aus der Film- und Sportwelt angeleht wurden. Bis auf ein paar wenigen Ausnahmen sind die Vorbilder für die realen Personen aber kaum zu identifizieren. So kommt Brad Pitt, David Hasselhoff, Arnold Schwarzenegger oder David Backham etwas zu überzeichnet daher und stehen teils sehr knapp an der Grenze zur Geschmacklosigkeit. Einige Figuren kennt man zudem hierzulande gar nicht, was den Wiedererkennungswert praktisch auf Null sinken lässt.

Mit diesem Spiel beweisen die Entwickler, dass sie keine Ahnung von einer ordentlichen deutschen Synchronisation haben. Die Sprecher sind auf unterstem Niveau und nur der bekannte "Ready to Rumble"-Ruf aus dem Vorgänger klingt altbewährt und bringt wenigstens noch etwas Atmosphäre vor dem Kampf. Diese wird jedoch schnell von einem "deutschen" Synchronsprecher wieder zu Nichte gemacht. Leider ist in der Fortsetzung nichts von der Atmosphäre des Vorgängers übrig geblieben, die neuen Charakteren kommen nicht im entferntesten an den kultige Orginaltrupp heran, selbst der Einmarsch zum Ring wird zum unfreiwilligen Desaster, da die Animationen einfach lächerlich und steif wirken. Den Rest gibt dem Spiel die kaum vorhandene Gesichtsdeformierung, welche im Vorgänger ein beliebtes Spielelement war. Etwas sehr Tolles ist dafür der integrierte Charaktereditor, in dem man sich seinen Boxer individuell gestalten kann. Dort sind wirklich etliche Möglichkeiten vorhanden, sich einen einzigartigen Kämpfer zu erstellen. Das Aussehen lässt sich mittels Schieberegler und verschiedener Accessoires verändern bis man seinen Wunschcharakter geschaffen hat.

**Extrem unfaire Steuerung
**Das grösste Manko des eigentlich als Arcadespiel konzipierten Beat’em-Ups ist die sehr ungenaue Bewegungssteuerung mit Wiimote und Nunchuch, die jeweils als eine Schlaghand fungieren. Bei den relativ komplexen Schlägen versagt die Bewegungserkennung nämlich sehr oft und statt exakter Schlagabläufe findet man sich wild fuchtelnd vor dem Fernseher wieder. Genau in den wichtigsten Momenten macht die Spielfigur oft nicht das, was sie eigentlich soll und man wird schnell auf die Bretter geschickt. Der Schwierigkeitsgrad ist dabei sehr hoch geraten, den selbst kleine Fehler führen oft zur Niederlage. Dazu tragen auch die vielenfältigen Schlagkombinationen bei, die wegen ihrer Komplexität, in Kombination mit der ungenauen Abfrage in der Ausführung, schnell Frust aufkommen lassen. Gerade am Anfanfg des Spiels, wenn man sowieso schon durch die vielen verschiedenen möglichen Schläge verwirrt ist, geben einem die von beginn an starken Gegner schnell den Rest. Viele werden wohl schon an diesem Punkt aufgeben, und im weiteren Spielverlauf später wird das Ganze natürlich noch extremer. Durch die aufladbare"Rumble Energie", welche sich durch gute Treffer oder Provokation des Gegners generieren lässt, kann man spezielle Schlagkombinationen ausführen, die jeden Boxer sofort auf die Matte schicken. Durch den Umstand, dass sich diese Energie aber bei erfolgreicher Ausführung eines Spezialschlags nicht auflöst, selbst ein Boxer zu Boden geht und dann  erneut erhebt, artet das Ganze in einen reinen "Rumble Energie"-Wettkampf aus, bei meistens jener gewinnt, der den zäheren Boxer spielt. Die Minispiele und der Trainingsmodus leiden unter den gleichen Steuerungsmacken wie die Kämpfe, mir ist jedenfalls selten eine solch verhunzte Steuerung untergekommen. Vielleicht hätten man besser alternativ eine Steuerung für den Classic-Kontroller anbieten sollen, anstatt uns mit der Bewegungssteuerung zu quälen.

Der Karrieremodus bietet einige sehr gelungene Ideen, welche leider ebenfalls unter Steuerungs- und Atmosphäremacken leiden. Es gilt seinen Kämpfer in den Attributen Schlagkraft, Schlaggeschwindigkeit, Ausdauer, Verteidigung, Agilität, Stärke und Mentalität in kleinen Minispielen zu trainieren. Die Grundidee einen Boxer zu erstellen und ihn ganz nach oben zu bringen ist wirklich toll und mag am Anfang auch motivieren, jedoch macht sich schnell Langeweile breit, da sich das Trainingsprogramm ständig wiederholt und die Gegner zu Beginn einfach viel zu stark sind. Dazu kommt die schlechte Steuerung welche beispielsweise das Seilspringen gänzlich unmöglich macht.
Einzig im Mehrspielermodus lässt es sich mit einem Freund etwas Spass haben, da Beide mit den gleichen Mankos zu kämpfen haben. In Wiederholungen in Zeitlupe wird dann auch noch die schlechte Kollisionsabfrage demonstriert, wie z.B. dass Körperteile im Gegner verschwinden oder die Fäuste sich in der Mitte durchschlagen. Ein Onlinemodus gibt es nicht, was anhand der mangelnden Qualität des Hauptspiels aber vielleicht auch besser ist.

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