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Art Academy: Zeichen- und Maltechniken Schritt für Schritt erlernen!

Hätte Picasso den DS gehabt…

Test Guest getestet auf Nintendo DSi

…wäre er vielleicht noch schneller zu Weltruhm gelangt. Denn „Art Academy“ ist ein weiteres dieser „Do-it-yourself“-Titel, die es für den DS mittlerweile wie Sand am Meer gibt. Erster Zweifel: Kann man mit einem Game tatsächlich lernen, wofür man sonst Talent und eine Menge Eifer mitbringen muss?

Man könnte wohl Stunden darüber philosophieren, wie lange es bei uns noch dauert, bis wir ähnlich groteske Zustände haben in Japan. Damit meine ich nicht den Umstand, dass Toiletten dort nach Hubba-Bubba-Kaugummi riechen oder dass sich „Modelmagazine“ mit Pre-Teens in Bücherläden unter Erwachsenen am meisten verkaufen. Auch wenn mitunter beides für Sorgenfalten auf meiner Stirn sorgt, spielt das hier keine Rolle. Denn dieser Fall hier schlägt in die Kerbe der virtuellen Tätigkeiten, die man am besten gar nicht erst virtuell ausführt. Dazu gehören Dinge wie Dating-Simulatoren oder virtuelle Freundinnen. Oder Unsinn wie „Art Academy“.

Tolle Idee für unterwegs?

Kennt ihr das auch? Ihr sitzt im Zug oder im Wartesaal eines beliebigen Arztes und plötzlich beschleicht euch ein Gefühl, ein Verlangen in den Fingern, die nach einem Stift greifen und kreativ werden wollen. Gamer schnappen sich dann den DS und spielen. Und was machen die Künstler, die gerne zeichnen würden? Die schnappen sich auch den DS. Wobei davon abzuraten ist.
Im Prinzip wäre die Idee von „Art Academy“ gar nicht so schlecht. Kompakte Hinweise zu Pinsel- und Stiftführung, Anleitungen und Vorlagenbilder zum Abzeichnen. Das Problem dabei: Für all diese Dinge brauche ich gar keinen DS und schon gar nicht „Art Academy“.

Warum sollte ich einen teuren DS mit mir mitschleppen, wenn ich einen Zeichenblock für zwei Franken in der Papeterie meines Vertrauens kaufen kann? Der Zeichenblock hat überdies noch den Vorteil, dass ich ihn quer durch den Raum werfen kann, wenn mir mal eine Zeichnung nicht gefällt. Den DS zu werfen ist hierbei definitiv keine gute Empfehlung.
Warum sollte ich ein Miniaturbild einer Landschaft auf dem DS-Screen betrachten, wenn ich hunderte reale Sujets vor meinen Augen habe und das erst noch in einer höheren Auflösung?
Und warum zur Hölle soll ich einen Bleistift auf einem Screen simulieren, der kleiner ist als A5, wenn ich doch einfach den besagten Bleistift real erstehen könnte und damit auf dem vorhin erwähnten, ebenfalls für wenig Geld gekauften Block anwenden?
Ein wahrhaftiges Mysterium, dass noch unlösbarer scheint als alle schwierigen Rätsel aus „Ace Attorney“ zusammen.

 
Kompakte Wissensvermittlung…

Fans von „Art Academy“ werden jetzt bestimmt sagen: „Aber es gibt doch diese tollen Mal- und Zeichentips von diesem knuffigen Bildschirmheinzelmännchen und dann werde ich besser beim Zeichnen!“
Ja die gibt es. Ja, natürlich lernt man etwas, vielleicht sogar genug um wirklich etwas zeichnen zu können. Dennoch: Jede Person die zumindest einmal in ihrem Leben in der Schule Kunst- beziehungsweise gestalterischen Unterricht hatte, wird die meisten dieser Tips kennen. Nur ausführlicher, persönlicher und mit der Möglichkeit bei etwaiger Ratlosigkeit einfach den Lehrer zu fragen. Und da wir noch nicht im Zeitalter der richtigen künstlichen Intelligenz angekommen sind, fällt dieses Feature natürlich auch weg. Notiz an mich selber: Sollte Skynet irgendwann einmal ein solches Programm veröffentlichen – Ich kauf’s nicht!

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