Games.ch

Alpha Protocol

Der Shooter im Rollenspielgewand

Test Nico getestet auf Beachlife: Virtual Resort

Kaum ein Spiel eckt so an wie das neuste Werk von Obsidian "Alpha Protocol". Während das Spiel ausserhalb Europas unterdurchschnittliche Wertungen einfährt, schafft es "Alpha Protocol" hierzulande gerne in einen soliden Bereich. Dies ist sicherlich auf ziemlich böse Gerüchte im Internet zurückzuführen, die einen Mitarbeiter des Entwicklerstudios zitieren, der das Spiel als riesen Fehltritt darstellt. Wie gut das Spiel letztlich ist, lest ihr aber hier in unserem Test.

Das Weltuntergangsszenario

Der Spieler schlüpft in die Rolle von Michael Thornton. Nachdem eine US-Rakete ein Flugzeug in die Luft gejagt hat, werdet ihr von eurem Oberbefehlshaber angewiesen, den Fall genauestens zu untersuchen. Dabei verschlägt euch eure Recherche an Orte rund um den Globus, wie etwa Rom oder in ein arabisches Dorf.

RPG? Shooter? Detektivspiel?

Wer jetzt denkt, bei "Alpha Protocol" handelt es sich um ein Detektivspiel hat falsch gedacht. Wobei man sagen kann, dass das Spiel selber nicht genau weiss in welche Schublade es jetzt gehört. Grundsätzlich besteht das Gameplay aus zwei verschiedenen Inhalten. Einerseits wird geballtert was das Zeug hält, andererseits müsst ihr laufend Entscheidungen treffen.

Die Qual der Wahl

Die Entscheidungsfrage fängt dabei schon bei euch selbst an. Als erstes könnt ihr euer Aussehen minim durch einige Gesichtsänderungen bearbeiten, zum andern könnt ihr eure Fähigkeitspunkte erweitern. Damit könnt ihr eure Skill-Punkte (die ihr durch das Abschliessen von Missionen erhaltet) auf unterschiedliche Eigenschaften verteilen. So zum Beispiel auf den Umgang mit Waffen, was euch eine höhere Zielgenauigkeit verschafft, oder ihr könnt auf eure Schleichqualitäten setzen. Zudem hat Michael auch Spezialfähigkeiten auf Lager, die ihr allerdings nicht ohne Überlegung einsetzen solltet, da diese nicht im Überfluss vorhanden sind. Ihr solltet zum Beispiel die Spezialfähigkeit "Geräuschloser Lauf" erst dann aktivieren, wenn es auch wirklich notwendig ist, da diese Fähigkeit erst wieder regenerieren muss.
Noch wichtiger sind aber die Entscheidungen, die ihr in den Dialogen trefft. In Gesprächen habt ihr jeweils laufend die Möglichkeit, eine Antwortart auszuwählen. Wer jetzt denkt, dass man lange Zeit hat um eine Antwort auszuwählen, irrt sich. Erstens habt ihr nur eine sehr knapp bemessene Zeitrahmen zur Verfügung um zu antworten, und zweitens dürft ihr lediglich die Art der Aussage wählen, wie etwa "professionell", "verärgert" oder "sarkastisch". So kann es leider durchaus vorkommen, dass ihr aufgrund des Zeitmangels keine Antwort auswählt und so automatisch die zuletzt gewählte verwendet wird, welche unter Umständen den Spielverlauf erheblich ändern kann. Denn dies tun mehr oder weniger alle eure Entscheidungen. Wenn ihr zum Beispiel verärgert antwortet, kann dies die Beziehung zwischen den Charakteren stark verändern. Dies führt einerseits dazu, dass man denkt: "Verflucht, hätt ich mich doch anders verhalten", aber dies bringt auch einen hohen Wiederspielswert, da man gerne wissen will, wie die Geschichte mit einer anderen Entscheidung verlaufen wäre.

Aufbau

"Alpha Protocol" ist in Missionen gegliedert. Jeweils jede Reise in ein neues Land führt euch vorher zum Stützpunkt. Hier werdet ihr durch ein Fernsehgespräch über den aktuellen Auftrag in Kenntnis gesetzt und mit Informationen versorgt. Zudem habt ihr hier jeweils die Möglichkeit euch Waffen und andere Gadgets zuzulegen, aber auch auch Informationen am Laptop zu sichten. Die Auswahl an Waffen und Gadgets ist dabei immens gross. Auch Gadgets, wie zB. Schutzuniformen, sind reichlich verfügbar. Je weiter ihr im Spiel voran gelangt, desto mehr Objekte könnt ihr euch besorgen. Maximal könnt ihr euch allerdings bloss mit zwei Waffen ausrüsten, die ihr dann auch zwingend während der ganzen Mission einsetzen müsst. Es empfiehlt sich zudem jeweils vor Missionsstart, die E-Mails auf dem Computer abzurufen. Hier erhaltet ihr unter anderen Hintergrundinformationen zur Geschichte, was es euch einfacher macht dem komplexen Verlauf zu folgen.

Let the show begin

Grundsätzlich verfügt ihr über drei Startmissionen pro Reiseziel. Mehr werden aber durch Spielfortschritt freigeschalten. Insgesamt wird euch das Spiel so rund 10 bis 15 Stunden unterhalten. Die Missionsvielfalt ist dabei einigermassen gross. Oftmals beschränkt sich aber der Auftrag auf reines Ausschalten von gewissen Personen. Variation gibt es durch kleinere Aufträge, wie das Verwanzen eines Flughafentowers. Aber auch in diesen Missionen werdet ihr praktisch nur Schusswechsel erleben. Diese leiden aber unter einem grossen Manko: einer miserabel ausbalancierten künstlichen Intelligenz.
Ein kleines Beispiel der gegnerischen Dummheit gefällig? In Raum A erledige ich Person X, vor den Augen von Person Y. Diese reagiert aber nicht, bleibt einfach stehen und ergibt sich ihrem Schicksaal. Anderorts stehe ich gefühlte 5 Meter von meinem Gegner entfernt und befinde mich in seinem Blickfeld, doch dieser schiesst natürlich nicht. Dass das Spiel aber auch anders kann, zeigt es zu Genüge. Aber leider auch nicht im positiven Sinne. Sobald ihr von einem Gegner gesichtet werdet, löst dieser nach einiger Zeit einen Alarm aus. Wer jetzt denkt vor den Gegnern kann man sich verstecken irrt sich. Manchmal scheint es sogar als hätten diese ein Navigationssystem dabei. Nachdem euch der Gegner gefunden hat, bleibt euch nur noch die Wahl diesen zu erledigen. Dem könnt ihr aber entgegnen…

Kommentare